| Leipzigs Oberbürgermeister entmachtet Kulturdezernenten Von Birgit Zimmermann, dpa |
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| Mittwoch, 10. November 2010 um 07:56 Uhr | ||
Leipzigs Oberbürgermeister hat seinen Kulturdezernenten drastisch entmachtet. Die renommierten Kulturbetriebe Gewandhaus, Oper & Co sind von Millionenkürzungen bedroht. Aus Sicht von OB Jung hat Dezernent Faber beim Krisenmanagement versagt.
Leipzig (dpa/sn) - Die Strahlkraft der kulturellen Leuchttürme Leipzigs ist groß, allen voran das weltberühmte Gewandhaus, aber auch Oper und Centraltheater. Einer darf sich um diese identitätsstiftende Hochkultur nun nicht mehr kümmern: Kulturdezernent Michael Faber (49). Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) hat Faber in einem beispiellosen Akt entmachtet und ihm die Zuständigkeit für die städtischen Eigenbetriebe entzogen. Hintergrund sind die drohenden Mittelkürzungen für Gewandhaus & Co durch den Freistaat Sachsen. Krisenmanagement ist derzeit gefragt. «Ich habe nicht mehr das Vertrauen, dass Herr Faber diesen Ansprüchen gerecht wird», erklärte Jung.
Michael Faber wollte sich am Dienstag zu seiner Demontage nicht äußern. Er wolle erst persönlich mit dem Oberbürgermeister sprechen, hieß es. Ein für Montagabend geplantes Vier-Augen-Gespräch der beiden war aus Terminzwängen des Stadtoberhaupts ausgefallen. Jung teilte Faber am Telefon seine Absichten mit und machte diese dann öffentlich. Krisengespräche habe es zuvor gegeben, sagte Stadtsprecher Peter Krutsch, zuletzt am Freitag voriger Woche. Der parteilose Verleger Faber war im April 2009 auf Vorschlag der Linken und mit den Stimmen der SPD zum Kulturbürgermeister gewählt worden. Intern heißt es, Jung sei schon seit längerem mit Fabers Arbeit unzufrieden gewesen.
Das Fass zum Überlaufen brachte dann wohl der Streit um die geplante Kürzung der Kulturraumförderung durch die sächsische Staatsregierung. Jung kämpft an vorderster Front dafür, diese Einschnitte abzuwenden. Im schlimmsten Fall könnte Leipzig 2,5 Millionen Euro weniger bekommen, im besten - auf den sich die Regierungskoalition von CDU und FDP im Land vorige Woche verständigte - «nur» eine Million Euro. Jung präsentierte vor anderthalb Wochen ein Rechtsgutachten, wonach die geplante Novellierung des Kulturraumgesetzes verfassungswidrig ist. Unterstützung suchte er beim früheren Kulturdezernenten Georg Girardet (FDP). Von Faber war da weit und breit nichts zu sehen.
Wie es mit dem düpierten Kulturbürgermeister Faber nun weitergeht, ist offen. «Der Ball liegt jetzt bei der Stadtpolitik», sagte Stadtsprecher Krutsch. Die Fraktionen im Stadtrat müssen entscheiden, ob sie weiter zu dem in seinen Kompetenzen beschnittenen Faber stehen oder ein Abwahlverfahren einleiten. Das Thema sollte auf diversen Fraktionssitzungen am Dienstag und Mittwoch besprochen werden. Deutliche Kritik an Jungs Vorgehen äußerte Linken- Fraktionschefin Ilse Lauter. «Oberbürgermeister Jung tut sich keinen Gefallen damit und auch nicht der Leipziger Kultur.» Sie könne Faber nur bestärken, im Amt zu bleiben, sagte Lauter.
Um die städtischen Eigenbetriebe Gewandhaus, Oper, Centraltheater, Theater der Jungen Welt und die Musikschule will sich Jung «bis auf weiteres» selbst kümmern. Notfalls will die Stadt Leipzig gegen die aus ihrer Sicht verfassungswidrigen Kulturraum-Einschnitte klagen. Das persönliche Gespräch zwischen Faber und Jung wird es frühestens am Donnerstag geben. Am Dienstag flog Jung nach New York, wo einmal mehr der Glanz des Gewandhauses erstrahlen sollte. Dem langjährigen Gewandhauskapellmeister und Star-Dirigenten Kurt Masur (83) sollte die Leo-Baeck-Medaille überreicht werden. Jung war als Laudator eingeplant.
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