| Niederlande: Protest gegen «ungeheure Schandtat» Von Thomas Burmeister, dpa |
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| Mittwoch, 10. November 2010 um 07:56 Uhr | ||
Den Haag (dpa) - Als «ungeheure Schandtat» hat der weltbekannte niederländische Dirigent Bernard Haitink die Sparpläne der neuen konservativen Regierung seines Landes im Kulturbereich bezeichnet. Mit dem Vorhaben, alle drei Orchester sowie den Chor des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ersatzlos zu streichen, blamiere sich das Königreich im Ausland.
Die Rundfunk-Orchester, mit denen insgesamt rund 300 Jobs untergehen sollen, sind fast die einzigen, die Werke großer niederländischer Komponisten pflegen - unter ihnen Louis Andriessen und Alphons Diepenbrock.
Um den Staatshaushalt nach den Milliardenausgaben zur Bewältigung der Finanzkrise wieder zu sanieren, will das Kabinett aus Rechtsliberalen und Christdemokraten auch die Kulturförderung in den Gemeinden erheblich kürzen. Zudem soll die Mehrwertsteuer auf Eintrittskarten von 6 auf 19 Prozent angehoben werden. Insgesamt sollen im Kulturbereich 200 Millionen Euro pro Jahr gespart werden.
Gefährdet sind neben bislang vergleichsweise großzügig ausgestatteten Institutionen etliche freischaffende Theater- und Musikensemble. Die Bürgermeister von Amsterdam, Rotterdam, Den Haag, Utrecht, Eindhoven, Maastricht, Arnheim, Groningen und Enschede nannten die Sparmaßnahmen «verheerend» - ihr Protest wurde bislang nicht erhört.
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In der Tat, es ist eine Schande, wenn maßgebliche Politiker eines hochkultivierten Landes beschließen, wegen lächerlicher 200 Millionen Euro Sänger und Instrumentalisten höchsten Ranges zu entlassen. Welchen Schaden wird dadurch der Kulturtourismus nehmen? Warum hört die Regierung der Niederlande nicht auf die Proteste der Bürgermeister der großen Städte (siehe den Bericht von Thomas Burmeister, dpa)? Es liegt nahe, zu vermuten, dass die Entscheidungsträger vielleicht mehr Ahnung von Schweinezucht als von Musikkultur haben. Ja, es ist zu vermuten, dass so mancher Politiker zwar nicht in einem bildungs-, dafür aber in einem kulturfernen Milieu aufgewachsen ist, einem Milieu, in dem Musik nur eine Geräuschkulisse ist, auf die man jederzeit verzichten kann. Eine Politik, die den Kulturhaushalt kürzt, sinkt herab auf das Niveau, das ihr entspricht: Es ist das Niveau des Stammtisches und der Populisten.
Was für ein Verlust, wenn der geniale Bernard Haitink nicht mehr in Holland dirigier...