| LWL-Streichliste: Kahlschlag bei Kultur in Westfalen droht Von Dorothea Hülsmeier, dpa |
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| Donnerstag, 11. November 2010 um 06:43 Uhr | ||
Wenn es um Kultur geht, dann fühlen sich die Westfalen in Nordrhein- Westfalen oft im Hintertreffen. Eine drastische Sparrunde des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) könnte die Kluft weiter vertiefen.
Düsseldorf/Münster (dpa/lnw) - Die «Giftliste» ist seitenlang: Schließung der Kaiserpfalz, keine Zuschüsse mehr für Museen, dafür höhere Eintrittsgelder, kein Geld mehr für die westfälischen Philharmonien und Landestheater. Der Landschaftsverband Westfalen- Lippe (LWL) steht vor einem Riesenhaushaltsloch von 255 Millionen Euro. Die Verwaltung hat unter anderem aufgelistet, wo im Bereich Kultur der Rotstift angesetzt werden könnte.
Zwar ist noch nichts beschlossen, klar ist aber, dass es empfindliche Kürzungen geben wird. Und das könnte die Kultur im ländlichen Westfalen, das sich ohnehin hinter dem Rheinland mit seinen Großstädten wie Köln, Düsseldorf und Bonn zurückgesetzt fühlt, weiter schwächen. Schon im Kulturgutachten der früheren schwarz- gelben Landesregierung kam Westfalen kaum vor.
«Das wird so nicht umgesetzt», versucht Dieter Gebhard (SPD), Präsident des «Westfalenparlaments», das den LWL kontrolliert, zu beruhigen. Über den Haushalt stimmt die Vertretung aus 101 Abgeordneten erst im Februar 2011 ab. Seit Jahresbeginn hat dort eine «Ampel»-Koalition aus SPD, FDP und Grünen die Mehrheit. Nach der Einbringung des Etats Ende November wollen die drei Fraktionen im Dezember über das Sparkonzept beraten.
«Wir müssen genau hinsehen, wo wir Strukturen kaputt machen würden oder Denkanstöße setzen», sagt Gebhard, der auch Vorsitzender des Kulturausschusses des Westfalenparlaments ist. Für ihn ist es undenkbar, dass etwa der Zuschuss von fast einer Million Euro für die drei westfälischen Landesorchester wegfällt. Die Autoren des LWL- Sparkonzepts haben ebenfalls schon angemerkt, dass dies «vermutlich das Aus» für die Orchester bedeuten würde.
Auch die vorgeschlagenen Einsparungen von gut 900 000 Euro bei den zwei reisenden Landestheatern Detmold und Castrop-Rauxel würden die Bühnen in ihrer Existenz gefährden, räumt der LWL ein. Ein «prekäres Signal» wäre es auch, wenn die Zuschüsse für die 16 westfälischen Freilichtbühnen wegfielen, die vor allem in den kulturschwachen Regionen eine große Bedeutung haben.
Einen Empörungsschrei hat die erwogene Schließung des LWL-Museums in der Kaiserpfalz in Paderborn ausgelöst. 225 000 Euro könnte der LWL einsparen, wenn die mittelalterliche Pfalzanlage Karls des Großen aus dem 8. Jahrhundert - ein Zeugnis der Weltgeschichte - dicht gemacht würde. Stattdessen könnten die Exponate ins LWL-Museum für Archäologie in Herne verlagert und die Kaiserpfalz «ohne großen Aufwand» in das Diözesanmuseum integriert werden, heißt es beim LWL.
Gebhard sieht bei der Kaiserpfalz die anderen Träger wie die Stadt Paderborn in der finanziellen Verantwortung. Der LWL-Zuschuss sei eher gering. «Man darf nicht so tun, als sei das der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.»
Auch die Mittel für das renommierte Weserrenaissance-Museum in Lemgo (204 000 Euro) sollen gestrichen werden - überhaupt möchte der Landschaftsverband bei Lippischen Kultureinrichtungen kräftig sparen. Einschnitte soll es zudem bei der Förderung der westfälischen Landeskunde geben. Auch an den Ausstieg aus der Stiftung Preußenmuseum in Minden denkt der LWL.
Der Kommunalverband mit rund 13 000 Mitarbeitern gibt mehr als 85 Prozent seines Jahresetats von 2,4 Milliarden Euro für Behinderten- und Sozialhilfe aus. Laut Gebhard macht der Kulturetat nur 60 Millionen aus. Gegen die stetig steigenden Kosten für die Behindertenhilfe könne gar nicht mehr angespart werden, meint er. Die Kommunen könnten die Last nicht mehr allein stemmen. «Das Papier ist auch ein Signal, dass wir es nicht allein schaffen.» Der Bund müsse helfen.
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