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Abstrakte Kunst


von Michael Külbel




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Fachwelt fasziniert von Graffiti aus dem Mittelalter Von Elke Silberer, dpa PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, 17. November 2010 um 06:50 Uhr

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Was sollen diese Ritzzeichnungen in den Mauern eines rheinischen Klosters? Darüber hat man lange gerätselt. Jetzt ist das Geheimnis gelüftet.

 

Langerwehe (dpa/lnw) - Es ist wie ein Blick durchs Schlüsselloch ins Mittelalter: Einzigartige historische Graffiti in einem rheinischen Nonnenkloster faszinieren die Fachwelt. In der früheren Klosterkirche St. Katharina in Langerwehe bei Aachen hatten sich Handwerker vor 500 Jahren mit Ritzzeichnungen im Dachstuhl verewigt. Es sind Übungszeichnungen von Lehrlingen und symbolische Signaturen der Meister, die weder lesen noch schreiben konnten. Auch im internationalen Vergleich seien die Ritzzeichnungen einzigartig, sagte die Bauforscherin des Rheinischen Amts für Denkmalpflege, Ulrike Heckner, am Dienstag.

 

«Hier sind es reine Darstellungen, die mit dem Alltagsleben von Handwerkern zu tun haben. Das macht die Besonderheit der Graffiti aus», sagt Heckner. Im Licht eines Scheinwerfers oben im Dachstuhl deutet sie auf den 14 Meter langen Wandteil. Rosetten und Pentagramme sind in den Kalkputz eingeritzt, im oberen Teil mit offensichtlich leichter Hand - das Werk eines Meisters. Unten findet sich der klägliche Versuch der Lehrlinge.

 

«Verunglückt, Lust verloren, abgebrochen - der Übungserfolg stellt sich nur langsam ein», liest die Expertin an den Ritzzeichnungen ab. Dann gibt es auch noch ein paar Kritzeleien, darunter sogar schlüpfrige, nämlich phallusartige Darstellungen. Die sah ja niemand in diesem letzten Winkel der Kirche. Die Klosterkirche der Prämonstratenserinnen wurde 1492 umgebaut. Die Handwerker arbeiteten am Dachstuhl. Zimmermänner, Mauer, Dachdecker waren zu Gange - Meister und Lehrlinge.

 

«Die Handwerker brauchten Zirkel. Für Ornamente musste man ja gut mit dem Zirkel umgehen», erläutert Heckner. Das Gerät hatte einen Durchmesser von 60 Zentimeter. Da brauchte man Übung. Wohl in der Mittagspause habe sich der Meister seine Lehrlinge zur Brust genommen und mit ihnen geübt, vermutet die Bauforscherin. Bleistifte gab es noch nicht. Die Baustelle wurde zur Lehrstube.

 

Zum Schluss müssen die Handwerker stolz auf ihr Werk gewesen sein. Da sie nicht schreiben konnten, hinterließen sie eine andere Signatur. Sie ritzten die Konturen ihrer Spezialhämmer in die Wand: etwa der Dachdecker den spitzen Schieferhammer. «Die Handwerker wollten zeigen: "Ich war dabei"», sagt Heckner. Sie haben offensichtlich solide gearbeitet. Denn hätte der Dachstuhl in der Zwischenzeit grundlegend saniert werden müssen, wären die Zeichnungen verloren gegangen. «Ein einziger Anstrich und die Sachen sind weg», sagt die Expertin.

Bekannt waren die Zeichnungen den Bauleuten vom Aachener Bistum schon seit Jahren. «Wir haben immer gesagt: "Wir müssen das mal ordentlich untersuchen lassen"», erzählt der Baufachmann im Bistum, Elmar von Reth.» Das hat etwas gedauert.

 



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