| Dresdner Künstler vermissen das Zeitgenössische Von Christine Cornelius, dpa |
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| Montag, 22. November 2010 um 07:24 Uhr | ||
Die Barockstadt Dresden bringt ihre bildenden Künstler gegen sich auf. Es gebe zu wenig ständige Ausstellungsmöglichkeiten und Förderung fürs Zeitgenössische, beklagen sie. Am Sonntag öffnen viele von ihnen ihre Ateliers und zeigen ihre Schätze.
Dresden (dpa/sn) - Dresden bewahrt seine Asche, anstatt sein Feuer zu hüten, sagt der Künstler Christian Neuber. Ihn ärgert, dass die Stadt ewig nur das Barocke herauskehre und dabei das Zeitgenössische auf der Strecke bleibe. «Wenn es gute Künstler gibt, sollte man sie nutzen», sagt der 60-Jährige. So wie er denken viele seiner Kollegen in der Kulturstadt. Ihre unentdeckten Schätze können an diesem Sonntag besichtigt werden. Dann öffnen etwa 120 Maler, Fotografen oder Bildhauer ihre Ateliers und Wohnungen. Die Veranstaltung «Offene Ateliers» wird zum zwölften Mal vom Künstlerbund organisiert. Neuber stellt unter anderem Aquarelle aus.
Die Rahmenbedingungen für bildende Künstler seien in Dresden sehr schlecht, sagt auch Künstlerbund-Geschäftsführerin Kristine Schmidt- Köpf. Vom öffentlichen Kulturtopf profitierten die Museen, die fast nur «tote Künstler» ausstellten. Was fehle, sei eine große zeitgenössische Kunsthalle. Neuber stimmt ihr zu. Er kann sich dafür zum Beispiel das Palais im Großen Garten vorstellen. Die Stadt habe die Räume, wolle sie aber nicht hergeben, glaubt er.
Kulturbürgermeister Ralf Lunau (parteilos) verweist auf den Lipsiusbau an der Brühlschen Terrasse. «Für den Bau und die Betreibung einer neuen Kunsthalle fehlen derzeit die finanziellen Voraussetzungen.» Diese Aufgabe könne die Stadt auch nicht allein stemmen. Die zeitgenössische Kunst sei aber ein «herausragender Schwerpunkt» des Kulturentwicklungsplanes. Es gebe außerdem mehr als 50 Galerien und Ausstellungsräume, die von Stadt oder Land gefördert würden. Darüber hinaus existiere «eine Vielzahl» an privaten Galerien und Projekträumen.
Der freie Künstler Olaf Amberg wendet ein, dass in Dresden nur derjenige viele Ausstellungsmöglichkeiten habe, der über «Vitamin B» verfüge. «Von staatlicher Seite kommt relativ wenig», sagt der 35- Jährige. Auch Mäzene gebe es kaum. Den hiesigen Kunstmarkt bezeichnet er als «elitär». Unbekannte Künstler hätten es schwer - im Gegensatz zu den Etablierten. «Neo Rauch wird durch alle Museen durchgereicht», sagt er über den bekannten Leipziger Maler. Amberg zeigt am Tag des offenen Ateliers Ölmalereien und Zeichnungen.
Viele bildende Künstler, die in Dresden leben und arbeiten, vermissen eine Lobby. Amberg sagt: «Die Künstler sind alle Einzelkämpfer, deshalb sind sie nicht so mächtig.» Er müsse schon dankbar sein, irgendwo ausstellen zu dürfen. Wenn er dabei nichts verkaufe, bekomme er am Ende meist nicht mehr als einen feuchten Händedruck. Eine Stadt, findet er, sollte ihre Künstler begleiten.
Diese dürften aber auch nicht den Fehler machen und im Atelier darauf warten, entdeckt zu werden, findet Amberg. Gefragt sei Eigeninitiative. «Der Künstler muss sich selbst als Macher im kapitalistischen Wertschöpfungsprozess sehen.» Er verstehe, dass es viele junge Kunstschaffende aus Dresden in die Ferne ziehe. «In Berlin treten sich die Künstler zwar auf die Füße, aber dafür gibt es da für sie auch mehr Möglichkeiten.» Er selbst habe sich entschieden zu bleiben, wegen seiner Familie und weil ihm Berlin zu hektisch sei.
Neuber schaut nachdenklich. Mit Begriffen wie «kapitalistischer Wertschöpfungsprozess» kann er nichts anfangen. Er ist in der DDR groß geworden. Die damaligen ständigen Einschränkungen und Bevormundungen der Künstler haben ihn geprägt. Vielleicht, überlegt er, falle es Malern wie ihm auch besonders schwer, sich und ihre Werke anzupreisen - einfach, weil sie es nie gelernt haben. «Die Forderung der Selbstvermarktung ist uns fremd.»
http://www.kuenstlerbund-dresden.de
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