| Museumsdirektor verspricht «intimen Blick» auf Picasso Interview: Britta Schultejans, dpa |
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| Montag, 22. November 2010 um 07:24 Uhr | ||
München (dpa/lby) - Spaniens Maler-Star Pablo Picasso gilt als Jahrhundertkünstler, seine Gemälde erzielen bei Versteigerungen Rekordpreise in schwindelerregenden Millionenhöhen. Eine neue Ausstellung in München widmet sich von diesem Mittwoch (24. November) an einem etwas unbekannterem Aspekt von Picassos Schaffen. Das Museum Brandhorst zeigt in seiner ersten Sonderausstellung mehr als 80 «Künstlerbücher» - Werke der Weltliteratur, illustriert von Picasso. Museumsdirektor Armin Zweite spricht im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa in München von einem besonders «intimen» Blick auf Picassos Werk - und erläutert, warum er trotzdem keinen Besucherrekord anstrebt.
Die Ausstellung der Künstlerbücher ist die erste Sonderausstellung Ihres jungen Hauses. Warum haben Sie sich ausgerechnet für dieses Thema entschieden?
Armin Zweite: «Die Sammlung von Udo und Anette Brandhorst hat zwei große Komplexe: einmal zeitgenössische Kunst von Warhol bis Beuys und auf der anderen Seite "Künstlerbücher". Da haben sie einen unglaublichen Schwerpunkt, der einzigartig in Deutschland ist. Sie haben rund 70 Prozent der Bücher, für die Picasso Illustrationen geschaffen hat. Es gibt keine andere Privatsammlung, die damit aufwarten kann, und ich fürchte, es gibt in ganz Europa nichts Vergleichbares - auch nicht in den großen öffentlichen Sammlungen. Diesen wichtigen Aspekt der Sammlung Brandhorst wollten wir zeigen. Es sind über 100 Bücher mit Grafiken, Radierungen und Lithographien, die sich mit einem breiten Kompendium an literarischen Zeugnissen befassen.»
Kann man denn auch über Picasso selbst noch etwas lernen in der Ausstellung?
Armin Zweite: «Oh ja, man lernt sehr viel. Von Picasso kennen wir etwas über 2000 Druckgrafiken, Radierungen und so weiter - in den Büchern alleine befinden sich über 800. Das heißt, 40 Prozent seines gesamten grafischen Werkes sind für Publikationen entstanden. Das war mir persönlich - muss ich sagen - vor der Arbeit an diesem Projekt auch nicht so klar. Also: Wir haben das gesamte Spektrum - vom Kubismus angefangen bis hin zu den allerletzten Zeugnissen aus den Jahren 1971/72. Bis kurz vor seinem Tode hat Picasso sich immer wieder mit Büchern, mit Illustrationen, mit Literatur auseinandergesetzt. Und das ist natürlich ein ganz fantastisches Spektrum. Es zeigt, wie experimentell er gearbeitet und dass er das Spektrum der Druckgrafik auf außergewöhnliche Weise erweitert hat.»
Was ist das herausragendste Stück, das Sie ausstellen? Haben Sie ein Lieblings-Exponat?
Armin Zweite: «Das ist, würde ich sagen, von Honoré de Balzac die berühmte Novelle "Das unbekannte Meisterwerk", eine Novelle aus dem 19. Jahrhundert. Das ist sozusagen die Geschichte eines Malers, der über sein eigenes Werk verzweifelt und darüber stirbt. Und das ist natürlich symptomatisch für die Situation des Künstlers im 20. Jahrhundert. Picasso hat es um 1930 illustriert - mit wunderbaren Kupferstichen.»
Wie viele Exponate stellen Sie aus?
Armin Zweite: «Bücher möchte man natürlich am liebsten in die Hand nehmen und wir haben versucht, die Bücher in den Vitrinen so anschaulich wie möglich zu machen. Darum können wir nicht alle 105 Bücher der Sammlung zeigen, sondern nur 84 oder 85 - also etwa vier Fünftel der Sammlung. Damit es nicht zu eng wird, müssen wir außerdem den Zugang zur Ausstellung ein bisschen regulieren.»
Was heißt das?
Armin Zweite: «Wahrscheinlich können 80 bis 90 Besucher gleichzeitig die Ausstellung besuchen. Es macht ja keinen Sinn, wenn wir hunderte Besucher gleichzeitig reinlassen und niemand etwas sehen kann. Aber wir glauben nicht, dass wir da Probleme bekommen. Es ist ein spezielles Thema und gar nicht vergleichbar mit einer großen Gemälde- Ausstellung. Es setzt schon einen anderen Blick voraus, nämlich den intimen und den nachhaltigen Blick - und das wollen wir dem Publikum auch ermöglichen.»
Sie haben also keine großen Erwartungen, was die Besucherzahlen angeht?
Armin Zweite: «Es ist heute so eine Masche, immer auf die Besucherzahlen zu gucken. Das interessiert mich eigentlich überhaupt nicht. Ich möchte, dass diese spezielle Gattung von Picassos Werk sichtbar und wahrnehmbar wird. Wenn wir die Besucherzahl kontingentieren, dann können wir hier nicht Hunderttausende durchführen. Wir werden nicht gucken, wie viele es denn am Ende sind. Das ist ein Aspekt, der die Museumsarbeit ruiniert, und das können wir uns hier nicht zu eigen machen.»
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