| Nordische Magie «Terra Borealis» von Marco Paoluzzo |
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| Montag, 22. November 2010 um 07:24 Uhr | ||
Schwarzes Stein, weißes Eis, leeres Land - der Norden Europas ist eine eigenartige, oft karge Landschaft. Der Schweizer Fotograf Mario Paoluzzo fasst sie ins quadratische Format seiner analogen Mittelformatkamera und fertigt meisterliche Bilder.
Berlin (dpa) Der 60. Breitengrad liegt knapp nördlich von Schottland. Jenseits davon finden sich im Nordatlantik Island, die Färöer, die Shetland-Inseln, Grönland, Spitzbergen und am Rande des Meeres Norwegen. Je weiter der Weg vom europäischen Kernland wegführt, umso spärlicher wird die Vegetation, umso wilder und leerer ist das Land. Gletscher, Moore, kahler Fels und schwarzes Wasser prägen die Landschaft. Der Schweizer Fotograf Marco Paoluzzo hat dieses Gebiet zum Terrain seiner persönlichen Fotoprojekte gemacht. In den vergangenen Jahren war er hier immer wieder unterwegs. «Terra Borealis» heißt sein Buch mit neuen Aufnahmen ausschließlich in schwarzweiß.
Der Titel geht auf die boreale Ökozone im Norden zurück, die an der polaren Baumgrenze ihr Ende findet und den nördlichen Teil der Erde wie einen Gürtel umschließt. Kälte, Schnee, Eisberge, wenige Menschen, abgelegene Siedlungen und lange Wege gehören zu den Kennzeichen. In Ilulissat auf Grönland erforscht Paoluzzo mit der Kamera die vielgestaltigen Eisberge, zwischen denen sich das Sonnenlicht bricht. In Bellsund auf Spitzbergen richtet er das Objektiv auf einen Abfallhaufen verwitternder Walknochen und - schädel. Die schwarzen Felsen der Färöer wiederum bilden die zerklüftete Kulisse für den Auftritt tiefhängender Wolkenberge.
Paoluzzo arbeitet mit «alten» Kameras von Hasselblad und Mamiya, in den Filmformaten 6x6 und 6x7 Zentimeter. Das Bild wird nicht gleich auf einem Monitor sichtbar, sondern erst Wochen später in der Dunkelkammer. Sofortkontrolle: Fehlanzeige. Statt so lange auszulösen, bis es passt, müssen Fotografen wie der Schweizer daher genau überlegen, was sie tun.
Diese Qualität ist den Bildern anzusehen. Für Paoluzzo ist das keine Beschränkung, die ihm der Silberfilm auferlegt. Die Technik ermöglicht es ihm vielmehr, seine Bilder im Gedächtnis zu behalten. Er schätzt diese Langsamkeit.
Diese spielt auch bei der Gestaltung seiner Aufnahmen eine Rolle: Lange Belichtungszeiten lassen auf vielen der Bilder die Brandung zu einem weißlich wabernden Nebel entlang der schwarzen Felsen verwischen. Und auch die weißen Schaumkronen des zurücklaufenden Wassers am Strand verschmieren zu einem zarten hellen Schmelz. Das zumeist quadratische Format wird beherrscht von einer klaren Komposition ohne störende Details. Der virtuose Umgang mit der Dunkelkammertechnik zeigt sich in reichhaltigen Grautönen, sattem Schwarz und strahlendem Weiß. Auf diese Weise hat Paoluzzo besondere Bilder aus dem kahlen und kalten, aber großartigen Norden Europas mitgebracht.
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