| (Zusammenfassung 1630) Thüringen will wegen Goethe-Zeichnungen nicht klagen |
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| Mittwoch, 24. November 2010 um 07:02 Uhr | ||
Erfurt/Weimar (dpa/th) - Das Land Thüringen will nicht gegen den umstrittenen Verkauf wertvoller Goethe-Zeichnungen ins Ausland klagen. Sowohl die Klassik Stiftung Weimar als auch das Landesamt für offene Vermögensfragen in Gera halten die Adelsfamilie Henckel von Donnersmarck für die rechtmäßigen Eigentümer der Bilder. Dieser Auffassung schloss sich auch das Kultusministerium an. Der MDR hatte zuvor einen Juristen zitiert, der die Familie immer noch als enteignet ansah. Dem Landesamt liege kein Rückgabebescheid vor, daher sei das Restitutionsverfahren, bei dem die Familie die Bilder nach 1990 zurückerhalten hatte, nie offiziell beendet worden, argumentierte er.
«Wir sehen den 1994 geschlossenen Leihvertrag als eine Einigung im Sinne des Vermögensgesetzes», sagte der Leiter des Landesamtes, Norbert Münch, der Nachrichtenagentur dpa. Im Gesetz heißt es: «Über den Antrag entscheidet die Behörde, wenn und soweit die Rückgabe zwischen dem Verfügungsberechtigten und dem Berechtigten nicht einvernehmlich zustande kommt.» Die Behörde gehe davon aus, dass der Leihvertrag für die Bilder zwischen der Adelsfamilie und der Stiftung einvernehmlich entstanden sei. Demzufolge habe das Amt keine Handhabe und müsse auch nicht entscheiden.
Die Thüringer Linke bezeichnete den Verkauf der Zeichnungen und die Reaktion des Landes als «kulturpolitische Bankrotterklärung» und «peinliche Schmierenkomödie». Offensichtlich gebe es gravierende Fehler innerhalb der Klassik Stiftung, erklärte Landtagsabgeordnete Birgit Klaubert. Kultusminister Christoph Matschie (SPD) sei nicht mehr als ein stummer Statist. «Man denkt unweigerlich an die drei Affen, die nichts hören, nichts sehen und nichts sagen.»
Die Familie Henckel von Donnersmarck ist mit Goethes Schwiegertochter Ottilie von Pogwisch verwandt. Im Oktober war bekanntgeworden, dass die Familie 39 Bilder Goethes an einen österreichischen Sammler verkauft hat. 29 waren damals schon in Österreich, zehn weitere sollten folgen. Die zehn Zeichnungen waren kurz zuvor noch für eine Sonderausstellung in Weimar gewesen. Sie wurden daraufhin kurzfristig unter Schutz gestellt. Wären auch die anderen Bilder rechtzeitig als nationales Kulturgut anerkannt worden, hätte der Verkauf nach Österreich nicht stattfinden dürfen.
Anfang 2009 hatte Nikolas Henckel von Donnersmarck die Klassik Stiftung gebeten, ihm - unter Fortwirkung des Dauerleihvertrages - die Zeichnungen vorübergehend auszuhändigen. Er habe sie weiter wissenschaftlich untersuchen lassen wollen. Das Land hat inzwischen eine Untersuchung zu den Vorgängen eingeleitet.
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