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Abstrakte Kunst


von Michael Külbel




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«Unheimliche Wirklichkeiten» im Burda-Museum Von Ingo Senft-Werner, dpa PDF Drucken E-Mail
Samstag, 27. November 2010 um 09:13 Uhr

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Der Schein trügt in der neuen Ausstellung des Burda-Museums. Erst beim zweiten Hinschauen auf die Werke von Hanson und Crewdson offenbaren sich Abgründe. Ein Einblick in «Unheimliche Wirklichkeiten».

 

Baden-Baden (dpa/lsw) - Am Anfang steht ein kurzer Schreck. Die alte Frau, die neben der Kasse des Museums Frieder Burda in Baden- Baden müde auf einem Stuhl sitzt, bewegt sich nicht. Ihre Hände mit den Altersflecken ruhen im Schoß, die Krampfadern an ihren Beinen treten blau hervor. Aber sie braucht keine Hilfe. Sie ist aus Kunstharz, aber so täuschend echt vom amerikanischen Bildhauer Duane Hanson gearbeitet, dass fast jeder auf sie hereinfällt.

 

Und nicht nur auf sie. Rund 30 der lebensgroßen Figuren des bereits 1996 gestorbenen Künstlers stehen über die vier Etagen des Museums verteilt: vom Surfer-Boy über Touristen bis zum Bettler. Fast alle sind übergewichtig und haben meist die Augen nach unten gerichtet - leer, nachdenklich, einsam.

 

«Unheimliche Wirklichkeiten» hat Kuratorin Patricia Kamp die Ausstellung deshalb getauft, die am Freitag eröffnet wurde. «Die Werke sind zwar sehr amerikanisch, aber sie sprechen bei jedem Betrachter eine psychologische Seite an, lassen über Altwerden und Einsamkeit nachdenken.»

 

Die Wirkung der Puppen bleibt - obwohl sie enttarnt wurden. Unvermittelt zucken die Betrachter zusammen, wenn sie am Wachmann vorbeilaufen oder wenden sich neugierig und hilfsbereit dem Kinderwagen zu, in dem ein Kleinkind schläft - ein Stoffschäfchen im Arm. Aber Hanson kann auch brutal sein, etwa bei «Trash» (Abfall), wo er in einem Mülleimer einen toten Säugling drapiert hat.

 

Ähnliche Abgründe öffnen sich in den Fotografien von Gregory Crewdson, die an Filme von David Lynch und Steven Spielberg erinnern. Die perfekte Lichtgestaltung lässt sie fast wie Gemälde erscheinen, die von hinten angestrahlt werden. Die Szenen arrangiert der Künstler bis ins kleinste Detail. Nichts bleibt dem Zufall überlassen, für Regen oder Schnee sorgen Maschinen, für Maske und Licht hat er oft ein Team von 50 Mann dabei.

 

Die Alltagsszenen erhalten durch die Inszenierung eine Hintergründigkeit, die alles möglich erscheinen lässt: Eine Frau sitzt auf dem Bett und sieht auf einen neben ihr liegenden Säugling. Ihr Blick lässt offen, ob sie das Kind gleich herzen oder aus dem Fenster werfen wird.

 

«Meine Figuren sind einsam, verzagt und fürchten sich vor dem Älterwerden», sagt Crewdson bei der Ausstellungseröffnung. Das ist der Alptraum hinter dem amerikanischen Traum. Aber Crewdson sieht seine Protagonisten auch auf der Suche nach etwas Höherem. «Das will ich mit dem Licht ausdrücken. Das Licht führt uns». Die Ausstellung ist bis zum 6. März 2011 zu sehen.

 



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