| Hollywood und Holstein - Ehrenbürger Armin Mueller-Stahl Von Barbara Munker, dpa |
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| Dienstag, 30. November 2010 um 06:45 Uhr | ||
Lübeck/Los Angeles (dpa/lno) - Hollywood und Holstein: Armin Mueller Stahl verkörpert beides. Zu den markantesten Rollen des internationalen Filmstars gehört der Literaturnobelpreisträger Thomas Mann, den er in dem TV-Dreiteiler «Die Manns - ein Jahrhundertroman» verkörperte. Am Montagabend sollte Mueller-Stahl bei einem Festakt im Lübecker Theater von Ministerpräsident Peter-Harry Carstensen (CDU) die Ehrenbürgerwürde Schleswig-Holsteins erhalten - knapp drei Wochen vor seinem 80. Geburtstag am 17. Dezember.
Das Land könne stolz sein, dass der Weltstar auch die Kulturszene im Norden bereichere, hatte Carstensen bereits bei der Zuerkennung der Ehrenbürgerwürde Anfang September erklärt. Bemerkenswert seien auch seine jahrelange Arbeit für die Musikhochschule Lübeck und seine Unterstützung des Landesmuseums Schloss Gottorf, der Lübecker Museen und des Jüdischen Museums in Rendsburg.
Mueller-Stahl, der in Los Angeles und Sierksdorf (Kreis Ostholstein) lebt, ist der fünfte Ehrenbürger des Landes nach Helmut Schmidt, Uwe Ronneburger, Gerhard Stoltenberg und Siegfried Lenz.
Über Jahre hinweg war aus Ostpreußen stammende Mueller-Stahl der beliebteste und meistbeschäftigte Schauspieler der DDR, bis er wegen seines Protestes gegen die Wolf-Biermann-Ausbürgerung 1976 mit einem Berufsverbot kalt gestellt wurde. 1980 kam er in den Westen, wo sich auf Anhieb Regisseure wie Rainer Werner Fassbinder («Lola»), Andrzej Wajda («Eine Liebe in Deutschland») und Istvan Szabo («Oberst Redl») um ihn rissen. Mit fast 60 Jahren zog er nach Hollywood. Als «gnädiges Schicksal» bezeichnete er einmal seine «dritte» Karriere in den USA, die einem «alten Zausel» wie ihm dort ermöglicht wurde.
Für sein Filmdebüt in Hollywood mit «Music Box» (1989) von Costa- Gavras gewann Mueller-Stahl auf Anhieb einen Goldenen Bären bei den Internationalen Filmfestspielen in Berlin. Es folgten zwei Oscar- Nominierungen, für die Rolle eines jüdischen Patriarchen in «Avalon» und 1997 als bester Nebendarsteller in dem Film «Shine» über die Lebensgeschichte des australischen Pianisten David Helfgott. Jim Jarmusch holte ihn in «Night on Earth» als ostdeutschen Taxifahrer in New York vor die Kamera, Steven Soderbergh engagierte ihn für seinen «Kafka»-Film. Mueller-Stahl spielte an der Seite von George Clooney, Nicole Kidman und Robin Williams.
Er verkörperte große Männer, neben Thomas Mann auch Sigmund Freud in dem Psychodrama «Where Love Reigns». Größe bewies Mueller-Stahl , als er sich in der DDR durch seinen Protest zum Staatsfeind machte, was er später mit «Lieber einen Knick in der Karriere als im Rückgrat» kommentierte. Auch bei lukrativen aber ungeliebten Rollenangeboten blieb Mueller-Stahl standhaft. So lehnte er die Rolle des Dr. Brinkmann in der ZDF-Seifenoper «Schwarzwaldklinik» ab. Sich den Serien zu verweigern, nannte Mueller-Stahl kürzlich seine «einzige mutige Tat».
Sein Handwerk als Schauspieler hatte der Künstler an der Ost- Berliner Volksbühne gelernt, wo er 25 Jahre Mitglied war. Gleichzeitig wirkte er in DDR-Filmen mit, die ihm ungeheure Popularität verschafften, wie der Mehrteiler «Wege übers Land» (1968) über den Bauernalltag in der noch jungen DDR. Noch bekannter wurde Mueller-Stahl dann 1973 in dem Spionagethriller «Das unsichtbare Visier» und durch mehrere Filmen von Frank Beyer wie «Fünf Patronenhülsen», «Nackt unter Wölfen» und «Jakob der Lügner», der 1977 für den Oscar nominiert wurde.
Der seit über 35 Jahren mit einer Ärztin verheiratete Schauspieler, Vater eines erwachsenen Sohnes, ist auch als Maler und Autor bekannt - und neuerdings als Sänger. Kurz vor seinem 80. Geburtstag brachte er seine erste Platte heraus. Unter dem Titel «Es gibt Tage ...» versammelt der Künstler Lieder, die er vor mehr als 45 Jahren in der DDR geschrieben hat und die dort zum Teil der Zensur zum Opfer fielen.
Würde er noch einmal leben, wäre ihm die Schauspielerei weniger wichtig. «Bei mir hat die Schauspielerei dominiert, dann kamen Musik und Malerei. Heute würde ich es umgekehrt machen: erst die Musik, dann Malerei und Schauspielerei», sagte er der Illustrierten «Bunte». Zugleich erscheint zum 80. Geburtstag im Aufbau-Verlag das Buch «Die Jahre werden schneller», eine Art Autobiografie in Versen mit vielen Bildern und Illustrationen.
http://www.arminmuellerstahl.de
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