| Hauptstadt Europas - Folkwang zeigt Impressionisten und Paris Von Dorothea Hülsmeier, dpa |
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| Freitag, 01. Oktober 2010 um 06:28 Uhr | ||
Impressionisten-Ausstellungen boomen. Das Museum Folkwang wirft jetzt einen besonderen Blick auf die künstlerischen Wegbereiter der Moderne. Paris im 19. Jahrhundert steht im Zentrum einer großen Ausstellung.
Essen (dpa/lnw) - Paris - die französische Metropole war für den Philosophen Walter Benjamin die «Hauptstadt des 19. Jahrhunderts». Keine Großstadt der Zeit wurde zwischen 1860 und 1900 so radikal umgestaltet: die Metro, breite Boulevards, Bahnhöfe, weitläufige Plätze, Theater, elektrisches Licht und natürlich der Eiffelturm machten die Stadt zum Aushängeschild der Moderne.
Das Museum Folkwang in Essen verbindet in einer Ausstellung den Blick der Impressionisten auf Paris mit Fotografien des radikalen Wandels der Stadt. Unter dem Titel «Bilder einer Metropole - Die Impressionisten in Paris» sind von Samstag bis zum 30. Januar 2011 rund 80 Gemälde der berühmtesten Impressionisten wie Manet, Pissarro, Monet und Renoir sowie etwa 120 Fotografien zu sehen.
Die umfangreiche Schau ist ein Beitrag zum Kulturhauptstadtjahr und zeigt nach den Worten von Folkwang-Direktor Hartwig Fischer «auf exemplarische Weise, wie die Künstler auf die rapide Veränderung der Stadt reagiert haben». Die Ausstellung geht dabei über die französischen Impressionisten hinaus, indem sie die Paris-Bilder auch anderer europäischer Meister der Zeit, etwa Adolph Menzel oder Ilja Repin, einbezieht und auch weniger bekannte Maler präsentiert.
So wie die Impressionisten für ihre Zeit schockierend modern waren, wurde aus Paris auch eine Art technisches Laboratorium der Moderne. Henri Rivière machte Fotos von Arbeitern auf der Eiffelturm- Baustelle, Louis-Emile Durandelle fotografierte die Bauphasen der 300 Meter hohen Stahlkonstruktion. Die Impressionisten malten in ihren kleinen Pinselstrichen helle und farbenfrohe Ansichten der Stadt und ihrem neuen Wahrzeichen.
Auch die Industrialisierung wird zum Thema der Kunst. Van Gogh und Paul Signac malten die Fabrikschlote und Gasometer der Vororte - allerdings eher marginal. Die Fotografen richteten ihre Objektive direkt auf die riesigen Stahlkonstruktionen, auf Industrieanlagen und Baustellen. Dem aufgewühlten Stadtleben mit den großen Weltausstellungen, die Millionen Besucher anlockten, stehen idyllische Gemälde von Booten auf der Seine oder Spaziergängern am Ufer gegenüber. Manchmal wird der Mensch angesichts der gigantischen Bauten ganz klein wie bei Pissarros Bildern der großen Plätze und Boulevards.
Wie ein Flaneur in den Straßen von Paris wird der Besucher durch die Ausstellung geführt. Am Anfang steht der Panorama-Blick vom noch ländlichen Montmartre, es folgen Boulevards, Alltagsleben, die Eisenbahn, Vororte, Vergnügungsviertel, Cafés. Bei den Impressionisten finden sich oft nur Anspielungen auf die Kehrseite der Moderne, so etwa Manets Frau mit Zigarette, die einsam vor einem Glas Pflaumenschnaps sitzt. Die Fotografen lichten auch die Särge mit den Toten der Pariser Kommune von 1871 ab, oder einfache Arbeiter.
Die Malerei scheint dabei von der Fotografie der Zeit nicht ganz unberührt zu sein wie das fotografisch wirkende großformatige Gemälde von Gustave Caillebotte «Straße in Paris an einem Regentag» zeigt. Für die Schau konnte das Museum weltweit Leihgaben sammeln, die teilweise noch nie in Deutschland zu sehen waren. Nach Angaben des Museums wurden bereits 2000 Führungen vorab gebucht - so viel wie bei keiner anderen Ausstellung.
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