| Altonaer Museum schließt bereits Ende des Jahres Von Markus Klemm, dpa |
|
|
|
| Montag, 04. Oktober 2010 um 06:39 Uhr | ||
Die Proteste halten an. Mit einem Solidaritätsfest versuchte das Altonaer Museum in Hamburg noch einmal die drohende Schließung zu verhindern. Doch der schwarz-grüne Senat bleibt hart, will das 1863 gegründete Museum aus Kostengründen Ende des Jahres dicht machen.
Hamburg (dpa/lno) - Das Altonaer Museum in Hamburg wird ungeachtet der heftigen Proteste voraussichtlich schon in drei Monaten geschlossen. «Der Ausstellungsbetrieb soll zum 31. Dezember 2010 beendet werden», heißt es in einer Antwort des schwarz-grünen Senats auf eine Kleine Anfrage der SPD-Fraktion. Die Landesregierung hatte sich wegen der desolaten Haushaltslage auf ein 510-Millionen-Euro- Sparpaket verständigt und dabei auch das Aus für das 1863 gegründete Haus beschlossen. Am Sonntag veranstaltete das Museum ein Solidaritätsfest zugunsten der Aktion «Wir sind das Altonaer Museum». Kultursenator Reinhard Stuth (CDU) wies unterdessen die Kritik am Sparpaket als unverantwortlich zurück.
«In den Äußerungen der Kritiker habe ich vermisst, dass sie zu erkennen geben, dass sie auch eine Gesamtverantwortung haben», sagte Stuth dem Hörfunksender NDR Kultur (Montag). Es gehe «um nichts Geringeres als Generationengerechtigkeit», deshalb gebe es keine Alternative zum Sparkurs. Durch die Schließung des Museums soll der Haushalt der Stadt um knapp 3,5 Millionen Euro entlastet werden. Im Haupthaus des Museums und in den beiden Außenstellen, Jenisch Haus und Rieck Haus, werden rund 640 000 Objekte präsentiert. Im vergangenen Jahr wurden rund 92 000 Besucher gezählt, 2008 waren es rund 118 000.
Zur Solidaritätsveranstaltung für das Museum kamen nach Angaben von Museumssprecher Klaus Gier bis zum Nachmittag rund 4200 Gäste. Das Fest mit zahlreichen Aktionen, einer Podiumsdiskussion und Führungen durch das Museum sollte noch bis zum frühen Abend gehen. An der Unterschriftenaktion für den Erhalt des Museums haben sich laut Gier inzwischen rund 10 000 Menschen beteiligt. Hamburgs Verdi-Chef Wolfgang Rose sagte, Kultursenator Stuth und dem Senat fehlten Kenntnis und Sachverstand über Aufgaben der Museen und den Wert der historischen Sammlungen Hamburgs. «Lockere Sprüche, man könne alle Sammlungen und Exponate mal kurz umlagern und woanders ablegen, zeugen von Unkenntnis. Ein Museum ist kein Warenlager von Stückgut.»
Auch die SPD-Abgeordnete Gabi Dobusch kritisierte die geplante Schließung des Museums bereits zum Jahresende scharf. Damit greife der Senat den Haushaltsberatungen vor und versuche Fakten zu schaffen, bevor die Bürgerschaft sich dazu verhalten könne. «Hamburg hat sich bereits mehrfach mit unsensibler und dilettantischen Kulturpolitik blamiert», betonte Dobusch. «Die in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland einmalige Schließung eines Landesmuseums setzt dem die Krone auf.» Es sei bislang nicht einmal klar, wie hoch die tatsächliche Einsparsumme ausfallen werde. In der Senatsantwort heißt es: «Die mit der Schließung des Altonaer Museums verbundenen Maßnahmen und Kosten werden zzt. zwischen der zuständigen Behörde, der Stiftung Historische Museen Hamburg und der Hamburger Immobilien Management Gesellschaft abgestimmt.»
Mit Blick auf das von Kürzungen in Millionenhöhe betroffene Deutsche Schauspielhaus sagte Stuth, er gehe nicht davon aus, dass deswegen die dortige Jugendtheater-Sparte geschlossen werden müsse. «Auch die Sparverpflichtung macht es nicht zwingend, das Junge Schauspielhaus zu schließen.» Laut einem Bericht der «Bild am Sonntag» hat sich unterdessen der Schauspieler Claude Oliver Rudolph um die Nachfolge des zurückgetretenen Schauspielhaus-Intendanten Friedrich Schirmer beworben. In einem Brief an Bürgermeister Christoph Ahlhaus (CDU) schreibt er dem Bericht zufolge über sein Konzept: «Wir müssen Remmidemmi machen, damit Publikum kommt, und wir aus den roten Zahlen kommen.»
|
























































