| Seemann muss 2011 als Klassik-Präsident gehen Von Antje Lauschner, dpa |
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| Dienstag, 05. Oktober 2010 um 06:27 Uhr | ||
Zehn Jahre stand Hellmut Seemann dem «Flaggschiff» der Weimarer Klassik vor. Im Frühjahr 2011 soll der 56-Jährige das Amt des Präsidenten der zweitgrößten deutschen Kulturstiftung nun abgeben.
Weimar (dpa/th) - Hellmut Seemann muss nach zehn Jahren den Stuhl des Präsidenten der Klassik Stiftung Weimar räumen. Der Stiftungsrat beschloss am Montag in einer kurzfristig anberaumten Sondersitzung in Berlin einstimmig, dass der Vertrag mit ihm am 31. Mai 2011 ausläuft, wie das Thüringer Kultusministerium mitteilte. Zu den Gründen, die den Stiftungsratsvorsitzenden und Kultusminister Christoph Matschie (SPD) sowie die anderen Mitglieder des Stiftungsrates zu diesem Schritt bewogen haben, machte das Ministerium keine Angaben. Die Weimarer Stiftung, die von Bund, Land und Stadt getragen wird, ist die zweitgrößte Kulturstiftung in Deutschland.
Der Stiftungsrat beauftragte Matschie, den Posten neu ausschreiben zu lassen. Das Verfahren solle in dem Gremium abgestimmt werden, damit rechtzeitig vor Auslaufen des Seemann-Vertrags die Zukunft der Stiftung geregelt sei.
Matschie hatte der «Thüringischen Landeszeitung» (Montag) gesagt: «Wir brauchen Einigkeit zwischen Bund, Land und Kommune.» Die Frage, ob mit Moritz Wullen, Direktor der Kunstbibliothek Preußischer Kulturbesitz, schon ein Nachfolger im Gespräch sei, ließ Matschie offen.
Seemanns Arbeit als Präsident der Klassik Stiftung war immer wieder umstritten. Kritiker warfen ihm vor, kein Konzept zur Profilierung der Stiftung mit Goethe-Nationalmuseum, Goethe- und Schiller-Archiv sowie Anna Amalia Bibliothek zu haben. Ein Konzept wurde schließlich von einer vom Deutschen Wissenschaftsrat berufenen Fachkommission vorgelegt. Bund und Land geben bis 2017 rund 150 Millionen Euro für Sanierungsarbeiten an Klassikerstätten, den Neubau eines Kunstdepots sowie eines neuen Bauhaus-Museums.
Bei der langwierigen Standortsuche für den Museumsneubau agierte Seemann unglücklich und brüskierte den Stadtrat. Die Klassikerstadt als Wiege der 1919 von Walter Gropius gegründeten Designschule international bekannter zu machen, ist seit Amtsantritt sein Herzensanliegen. Deshalb setzte er sich gegen alle Widerstände für ein neues Domizil für die wertvollen Sammlungen ein.
In die Amtszeit Seemanns fiel der verheerende Brand und die Sanierung der Herzogin Anna Amalia Bibliothek. Schon seine Vorgänger hatten vehement auf Gefahren und die längst überfällige Sanierung des Gebäudes und mehr Restaurierungskapazitäten aufmerksam gemacht. Die Tragik: Das Stammhaus sollte wenige Tage nach dem Feuer für die Bauarbeiten geräumt werden.
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