| «Zeichnungen eines Genies»: Große Michelangelo-Schau in Wien Von Carola Frentzen, dpa |
|
|
|
| Donnerstag, 07. Oktober 2010 um 06:47 Uhr | ||
Michelangelo als Zeichner - diesem Aspekt des Renaissance-Genies widmet sich ab Freitag eine Ausstellung in der Wiener Albertina. Die erste und größte Schau seit über 20 Jahren vereint mehr als 100 kostbare Blätter. Aber es gibt auch Diskussionen über ihre Echtheit.
Wien (dpa) - Michelangelo Buonarroti (1475-1564) war ein Ausnahmekünstler, ein Genie, ein Meister des Details, der bei seiner Arbeit nichts dem Zufall überließ. Experten schätzen, dass der Italiener in seiner fast 75-jährigen Schaffensperiode mehr als 20 000 Zeichnungen angefertigt hat. Heute sind nur noch rund 600 Michelangelo-Blätter erhalten. Über 100 davon zeigt ab Freitag die Wiener Albertina in einer einmaligen Ausstellung - der weltweit größten seit über 20 Jahren.
Viele seiner gezeichneten Entwürfe und Studien hatte der Renaissancemeister vor seinem Tod selbst zerstört. «Er wollte einfach nicht, dass sie in andere Hände fallen», sagte Kurator Achim Gnann am Mittwoch bei der Präsentation vor Journalisten. Die in Wien ausgestellten Exponate stammen nicht nur aus dem Bestand der Albertina, sondern aus den größten Museen der Welt, darunter den Uffizien und der Casa Buonarroti in Florenz, dem Metropolitan Museum in New York, dem Londoner British Museum und dem Louvre in Paris.
Die Ausstellung «Michelangelo - Zeichnungen eines Genies» ermöglicht einen faszinierenden Einblick in das Werk Michelangelos, wobei der menschliche Körper in all seinen Facetten das thematische Bindeglied bildet. «Er gibt den Körpern eine Kraft, eine Stärke, die vorher nie dagewesen ist», sagte Gnann. Unter anderem sind in Wien die Entwürfe für die «Schlacht von Cascina» und die Vorzeichnungen für die berühmten Fresken in der Sixtinischen Kapelle sowie Projekte für die verschiedenen Päpste zu sehen, denen der Meister diente.
«Die Zeichnungen waren die Basis für all sein Schaffen, für die Malerei ebenso wie für die Skulpturen und die Architektur», erklärte Gnann. Dabei stehe Michelangelo für ein «ganz neues künstlerisches Selbstverständnis», betonte Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder. Er war kein Handwerker mehr, kein Günstling wie Tizian, «sondern ein Künstler, der auf alle Titel und Auszeichnungen verzichtet» hat und der Idee allein verpflichtet war. Gerade in den Zeichnungen zeige sich «die Verdichtung dessen, was ein Kunstwerk repräsentieren kann».
Ausgangspunkt für die Schau war auch die bereits seit langem andauernde Debatte über die Authentizität und Chronologie von Michelangelos Blättern, die erst vor wenigen Tagen gerade im deutschsprachigen Raum wiederaufgeflammt war. «Die Zweifler beschränken sich auf zwei oder drei Kunsthistoriker, man kann also nicht sagen, dass die Kunstgeschichtswelt gespalten ist», sagte der Kurator. «Wir bürgen mit unseren Namen und dem Namen des Hauses für das, was hier präsentiert wird.» Die Schau bleibt bis zum 9. Januar 2011 geöffnet.
|
























































