| Von Krise keine Spur: Berliner art forum öffnet Von Esteban Engel, dpa |
|
|
|
| Donnerstag, 07. Oktober 2010 um 06:47 Uhr | ||
Krise? Was für eine Krise? Auf dem art forum in Berlin präsentiert sich die Kunstwelt als blühende Landschaft. Galerien von Berlin bis Sydney kommen mit etablierten und neuen Künstlern und hoffen auf zahlungskräftige Kunden.
Berlin (dpa/bb) - Ein Planetarium-Projektor aus Schichtholz, ein Glaskasten voller Gartengeräte, Poetenidylle von Neo Rauch und Georg Baselitz mal nicht auf den Kopf gestellt - das Berliner art forum bietet in diesem Jahr Kunst aus aller Welt als lustvolles Panoptikum. Rund 40 000 Sammler, Künstler, Museumsdirektoren und Liebhaber werden von diesem Donnerstag an bis Sonntag (10. Oktober) in den Messehallen unter dem Funkturm erwartet, die deutsche Hauptstadt kann sich dabei wieder im Ruf der aufregenden europäischen Kunstmetropole sonnen, ja sogar der «internationalen Kunsthauptstadt», wie Kulturstaatssekretär André Schmitz am Mittwoch vor Journalisten sagte.
In den von Sonnenlicht durchfluteten Ausstellungshallen des Architekten Richard Ermisch aus den 1930er Jahren werden Malerei, Skulpturen, Zeichnungen und Fotografien gezeigt. Die Preise reichen von ein paar hundert bis zu mehreren hunderttausend Euro, etwa für Baselitz oder Rauch, für fast jeden ist etwas dabei.
Das art forum hat sich in diesem Jahr verschlankt. Die Messe bietet Platz für 110 Galerien, nach 130 im vergangenen Jahr. Sie haben zumeist zeitgenössische Werke seit den 1960er Jahren im Angebot, unter anderem Olafur Eliasson, Gerhard Richter, Sol LeWitt, Per Kirkeby, Daniel Richter und Sigmar Polke. Auch Werke von Fotografen wie Annie Leibovitz, Helmut Newton, Cindy Sherman, Diane Arbus oder Robert Mapplethorpe gehören dazu.
«Es gibt keine Trends», sagt Ko-Direktor Peter Vetsch. «Video, Skulptur, Installationen - die Künstler suchen ihre Ausdrucksformen heute über verschiedene Medien.» Nachdem 2008 die Wirtschafts- und Finanzkrise auch auf dem Kunstmarkt «voll durchgeschlagen» ist, seien nun vor allem Privatsammler wieder spendabler. Angesichts der knappen Kassen seien aber viele Werke nicht mehr so überdimensioniert.
Zwischen den großen Kunstmessen in Köln, Basel, Miami und London hat sich das art forum einen besonderen Platz gesichert, der vor allem der Ausstrahlung Berlins zu verdanken ist, wie Galeristen im Gespräch auf der Messe sagen. «Hier kann ich vor allem ein neues Publikum treffen», sagt etwa die Galeristin Anne de Villepoix aus Paris. Berlin sei für sie auch günstig, weil Künstler aus der Stadt in ihrem Programm habe. «Abends kann ich sie dann in der Stadt treffen».
Charlie Kitchings ist neu in Deutschland. Der Händler aus Seattle stellt auf Einladung seiner Berliner Partnergalerie in der Sonderschau «Focus» aus, die den Neuankömmlingen auf den deutschen Markt eine Chance geben will. Hitchings hat Grant Barnhart im Programm, verschlungene Skulpturen und ausdrucksstarke Gemälde, die bereits ab 2500 Euro zu haben sind.
Auch der Japaner Ujino hat es nach Berlin geschafft. Für 35 000 Euro gibt es seine Installation aus Plattenspielern, Staubsaugern und E-Gitarren, die mechanische Bewegung in komplexe Rhythmen verwandeln. In ähnlichen Preisregionen bewegt sich etwa Oliver van der Bergs Holzprojektor aus Birkenholz oder Max Frisingers Glaskasten- Installationen mit Fundsachen von der Straße oder dem Sperrmüll.
Häusler und Vetsch, die Co-Direktoren der Messe, haben sich mit einer schärferen Auswahl der Aussteller für ein deutlicheres Profil entschieden. Sie nennen es «Konzentration auf Qualität», ein wohl verdeckter Seitenhieb auf die früheren Messe-Macher. Die Schweizer waren vor zwei Jahren als Helfer in der Not von Basel nach Berlin geholt worden.
Die Berliner Galerien hatten ein Abdriften des art forum in die Bedeutungslosigkeit befürchtet. Nun sind sie wieder geschlossen im Boot und und mit der abc art contemporary berlin mit einer Parallel- Schau als Mischung von Ausstellung und Event auf dem Messegelände präsent.
«Ich kann nicht erwarten, das etwa Galerien aus Moskau und Istanbul hier sind, wenn wird Berliner nicht mitmachen», sagt Johann König. Nur so könne das internationale Profil gesichert werden, mit dem sich die Messe neben dem jugendlichen Anspruch behaupten will.
Die Konkurrenz in Köln bleibt mit dem Angebot von Kunst des gesamten 20. Jahrhunderts noch immer die deutsche Leitmesse für die Etablierten. «Köln ist konservativer», sagte Morten Korsggaard von der Kopenhagener Galerie Bo Bjerggaard, die Französin de Villepoix versteigt sich sogar zum Spruch: «Köln ist tot». Der Däne freut sich aber über «ein sehr gutes Jahr 2009» und gibt sich mit seinen Baselitz-Gemälden zwischen 260 000 und 375 000 Euro «sehr, sehr optimistisch».
http://www.art-forum-berlin.com
|
























































