| «Autobiografische» Chagall-Ausstellung in Hamburg Von Jenny Tobien, dpa |
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| Freitag, 08. Oktober 2010 um 06:16 Uhr | ||
Skizzen aus der Kindheit, Porträts seiner geliebten Ehefrau Bella und düstere Darstellungen des Holocaust. Eine «autobiografische» Chagall- Schau in Hamburg zeigt rund 150 Werke des prominenten Künstlers. Marc Chagalls Enkelin ist von der Ausstellung «persönlich bewegt».
Hamburg (dpa/lno) - Einen persönlichen Blick auf das Leben und Wirken Marc Chagalls (1887-1985) wirft eine Schau im Bucerius Kunst Forum in Hamburg. «Diese Ausstellung wirkt sehr intim und bewegt mich persönlich», sagte die Enkelin des russisch-französischen Malers, Meret Meyer, am Donnerstag in Hamburg. «Sie hat viel mit unserer Familiengeschichte zu tun und dennoch Aussagekraft.» In vielen der rund 150 Gemälden, Zeichnungen und Druckgrafiken spielt die Beziehung zu seiner Frau Bella eine zentrale Rolle. «Sie ist ihm nicht nur Muse sondern auch Co-Produzentin seiner Werke», erklärt Kuratorin Ortrud Westheider.
Den Ausgangspunkt bilden Chagalls Radierungen zu seinem Erinnerungsbuch «Mein Leben» sowie zu den von Bella verfassten Werken «Erste Begegnung»» und «Brennende Lichter». Los geht es mit Szenen aus seinem weißrussischen Heimatort Schtetl Witebskm, Selbstporträts und verspielten Darstellungen seiner Eltern und seines Großvaters. Im Herbst 1909 lernt Chagall die zwei Jahre jüngere Bella Rosenfeld kennen. «Sie war meine Muse. Der Inbegriff von jüdischer Kunst, Schönheit und Liebe. Wenn sie nicht gewesen wäre, wären meine Bilder nicht so, wie sie sind.»
Neben zahlreichen Illustrationen aus der Zeit der ersten Begegnung, gibt es auch einige colorierte Bilder des Paares. Etwa «Der schwarze Handschuh» (1923-1948), eines der Lieblingsbilder von Enkelin Meyer. Darauf verschmilzt der Maler mit seiner geliebten Frau und einem roten Hahn - ein immer wiederkehrendes Motiv bei Chagall. Auf «Doppelporträt mit Weinglas» (1922) trägt Bella ihren Mann auf den Schultern. In einer Hand hebt Marc das Weinglas empor, mit der anderen verdeckt er ein Auge Bellas, so dass er von oben für sie sieht. «Dieses gemeinsame Sehen ist ein wiederholtes Motiv in seinem Werk», erklärt die Kuratorin.
In einem zweiten Abschnitt werden Chagalls Reaktion auf die Judenverfolgung und den Holocaust dargestellt - Themen mit denen er sich bis an sein Lebensende auseinandersetzte. Die «Kreuzigungen» zeigen nicht Christus, als Stellvertreter der Juden, am Kreuz - sondern die Juden selbst. Diese Motive werden in Zusammenhang gesetzt mit dem Aufstand im Warschauer Ghetto oder der Zerstörung seines Heimatortes Witebskm.
Mit «Marc Chagall. Lebenslinien» wird erstmals die Sammlung des Israel Museums in Jerusalem in Deutschland präsentiert. Diese zählt zu den weltweit wichtigsten Werksammlungen des bedeutenden Künstlers. «In der Ausstellung verschmelzen französische Avantgarde und die russisch-jüdische Bilderwelt», erklärt Westheider, die die Schau gemeinsam mit Co-Kuratorin Meira Perry-Lehmann auf die Beine gestellt hat. Zudem gebe «der Schatz» aus dem Israel-Museum neuen Einblicke in das Leben des Künstlers.
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