| Ausstellung erinnert an Pionierin der Moderne |
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| Samstag, 09. Oktober 2010 um 08:59 Uhr | ||
Bremen (dpa/lni) - Das Paula Modersohn-Becker Museum in Bremen lädt zur Entdeckung der fast unbekannten Künstlerin Elfriede Stegemeyer (1908-1988) ein. Von Sonntag an beleuchten 50 Arbeiten alle Schaffensperioden dieser Vertreterin der Moderne, von frühen Fotos bis zu abstrakten Objektarbeiten. Die Ausstellung «Elfriede Stegemeyer - elde steeg. Doppelleben einer Avantgardistin» konzentriert sich auf Werke, die das Interesse der Künstlerin an abstrakten Mustern und Linien verdeutlichen. So zeigen frühe Fotos ein Wasserglas vor Wellpappe oder den regelmäßig gerillten Strand von Sylt.
Spätere Gemälde erinnern an Mikroskopbilder. «Diese Pionierin der Moderne hat sich zeitlebens dafür interessiert, was die Natur mit unserer Welt macht», sagte Kuratorin Verena Borgmann am Freitag bei der Vorbesichtigung.
Der Ausstellungstitel bezieht sich auf die Biografie der Künstlerin. Als 1943 bei einem Bombenangriff auf Berlin ihre Wohnung und ein Großteil ihres Werks zerstört wurden, war das eine Zäsur. Von da an malte, experimentierte und signierte Stegemeyer nur noch mit dem Pseudonym "elde steeg". Es entstanden Objektkästen mit Plexiglaswänden, in denen sie wolkige Seidenpapierfetzen zwischen Linien schweben lässt. Der jetzt ebenfalls in Bremen gezeigte Experimentalfilm von 1956, damals vom Kinopublikum ausgebuht und wenig später in Venedig ausgezeichnet, entführt in die bunte Welt des Kaleidoskops.
Stegemeyer, 1908 in Berlin geboren, hatte als Kind und Jugendliche in Bremen gelebt. Ihr Onkel war der Bremer Kaffee-Millionär Ludwig Roselius, ihr Vater technischer Direktor in der Firma Kaffee HAG. Doch die Künstlerin sagte sich nach Angaben von Kuratorin Borgmann früh von diesem großbürgerlichen Kontext los: «Stegemeyer wollte selbständig und unabhängig sein.» Ihre Kunst habe sie mit der Illustrationen von Biologiebüchern finanziert - auch hier ein enger Bezug zu den Naturwissenschaften, die sie zeitlebens inspirierten. 1974 heiratete sie schließlich einen Wissenschaftler und zog nach Innsbruck. «Zu Unrecht ist diese experimentierfreudige Künstlerin heute vergessen», sagte Borgmann.
In der Ausstellungsreihe «Pionierinnen der Moderne» stellt das Paula Modersohn-Becker Museum Frauen vor, die die Entwicklung der Moderne entscheidend mitgeprägt haben. Ausgangspunkt ist dabei von Anfang an die Malerin Paula Modersohn-Becker (1876-1907), nach der das Museum benannt ist. Kunsthistoriker Frank Laukötter, der das Haus ab 1. November als Direktor der Kunstsammlungen Böttcherstraße übernimmt, will - neben regelmäßigen Sonderausstellungen - an diesem Konzept festhalten: «Der Brückenschlag von Paula Modersohn-Becker zur Gegenwartskunst ist und bleibt spannend.»
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