| Eröffnungstermin für Geraer Dix-Haus wackelt Von Andreas Hummel, dpa |
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| Samstag, 09. Oktober 2010 um 08:59 Uhr | ||
Das neue Otto-Dix-Museum in Gera soll der Stadt zu überregionaler Aufmerksamkeit verhelfen. Doch nun steht der Eröffnungstermin am 120. Geburtstag des Malers im Dezember 2011 aus finanziellen Gründen auf der Kippe.
Gera (dpa/th) - Der Eröffnungstermin für das neue Geraer Kunsthaus im Dezember 2011 ist ins Wanken geraten. Der Grund: Die Stadt kann ihren Anteil für den Umbau des von David Chipperfield entworfenen ehemaligen Bankgebäudes nicht aufbringen. Denn wegen einer zu hohen Neuverschuldung hat die Rechtsaufsicht den Etat für 2010 nicht genehmigt - entgegen früherer Zusagen, wie Oberbürgermeister Norbert Vornehm (SPD) am Freitag beteuerte. Daher müsse die weitere Finanzierung des Museums nun ausschließlich aus privaten Spenden und Fördermitteln erfolgen. «Unter diesen Umständen ist der Umbau bis zum 120. Geburtstag von Otto Dix im kommenden Jahr nicht gesichert.»
Der Umbau soll 8,4 Millionen Euro kosten. «Wenn es den Dresdnern gelungen ist, 180 Millionen Euro für den Wiederaufbau der Frauenkirche zu sammeln, oder Heidelberg 16 Millionen Euro privates Geld für die Sanierung des Theaters, dann wird es uns gelingen, die noch fehlenden 3,4 Millionen Euro aus Spenden aufzubringen», sagte Vornehm. «Die Stadt braucht dieses Kunsthaus.»
Geplant war bisher, das Museum am 2. Dezember 2011 mit einer großen Dix-Retrospektive zu eröffnen. Es ist der Tag, an dem der Maler Otto Dix vor 120 Jahren in Untermhaus, einem heutigen Stadtteil Geras, das Licht der Welt erblickte. Das Kunsthaus mit rund 1400 Quadratmetern Ausstellungsfläche soll künftig die mehr als 400 Werke umfassende Geraer Dix-Sammlung sowie Leihgaben präsentieren. Angedacht ist eine Dauerschau zu Dix, der vor allem als Vertreter der Neuen Sachlichkeit sowie des Expressionismus bekannt ist. Zudem sollen Sonderausstellungen dessen Werk in Beziehung zu anderen Künstlern setzen und zeitgenössischer Kunst Raum geben. So ist eine Schau «Dix trifft Picasso» zum Spätwerk beider Künstler anvisiert.
Doch das Landesverwaltungsamt hat der Stadt nicht nur bei ihren Plänen zum Kunsthaus einen Strich durch die Rechnung gemacht. Laut Vornehm sperrte sich die Behörde gegen den Plan, 7,6 Millionen Euro an Darlehen aufzunehmen. Damit sollte vor allem das millionenschwere Schulbauprogramm vorangetrieben werden, das nun nur viel langsamer umgesetzt werden könne. Zudem müsse der Bau eines neuen Freibades in der Stadt privat finanziert werden.
Ein Sprecher der Rechtsaufsicht hatte erklärt, dass es Zweifel an der Leistungsfähigkeit der Stadt gebe. Solange sie nicht in der Lage sei, alte Schulden zurückzuzahlen, dürften keine neuen aufgenommen werden. Laut Vornehm geht es im Kern dabei um Fehlbeträge «aus grauer Vergangenheit», die sich auf mehr als 22 Millionen Euro belaufen.
Damit die Stadt überhaupt noch einen gültigen Haushalt bekommt - und nicht auf Einnahmen aus Steuererhöhungen von 3,5 Millionen Euro verzichten muss - will ihn Vornehm nun so verändern, dass er ohne die monierten Darlehen auskommt. Zudem plant er weitere Einsparungen in der Verwaltung von 5 Millionen Euro, die in das Schulbauprogramm fließen sollen. Von der Regierung, an der seine Sozialdemokraten beteiligt sind, zeigte sich Vornehm «bitter enttäuscht». «Das Land blockiert Geraer Investitionen.» Seiner Darstellung zufolge habe es zuvor Zusagen gegeben, den städtischen Haushalt in dieser Form zu genehmigen. «Wir haben nicht im luftleeren Raum gehandelt.»
Gera ist nicht die einzige Thüringer Stadt ohne genehmigten Haushalt - obwohl sich das Jahr schon dem Ende neigt. Auch die kreisfreien Städte Suhl und Eisenach sind betroffen. Laut Vornehm gibt es insgesamt etwa 120 Gemeinden ohne gültigen Etat.
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