| Mittelalterlicher Wandmalerei in Thüringen erforscht Gespräch: Antje Lauschner, dpa |
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| Montag, 11. Oktober 2010 um 07:42 Uhr | ||
Die Elisabeth-Fresken im Erfurter Nikolaiturm, die Iwein-Sage im «Hessenhof» in Schmalkalden: Thüringen besitzt einen einzigartigen, aber kaum bekannten Schatz an mittelalterlicher Wandmalerei. Experten wollen das ändern.
Erfurt/Würzburg (dpa/th) - Mehr als 100 figürliche Wandmalereien aus dem Mittelalter haben in Thüringen die Jahrhunderte überstanden. «Darunter knapp 70 aus der Zeit vor 1430/1450 ein einmaliger Schatz und ohne Beispiel in anderen Bundesländern», sagte der Würzburger Kunsthistoriker Kilian Grüger im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Viele der großflächigen Malereien seien - auch durch die Umweltverschmutzung vergangener Jahrzehnte akut gefährdet. In einem gemeinsamen Forschungsprojekt des Instituts für Kunstgeschichte der Universität Würzburg, des Thüringer Landesdenkmalamtes und der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten untersuchen Kunsthistoriker und Restauratoren die Kunstwerke im Detail.
Dadurch sollen sie auch besser vor dem Verfall bewahrt werden. «Die Deutsche Forschungsgemeinschaft unterstützt die Forschungen seit April 2010 mit einer halben Million Euro», sagte Grüger, der alle schriftlichen Quellen überprüft und «alle Dorfkirchen in Thüringen abgeklappert» hat. Alle bekannten Funde seien inzwischen erfasst.
«Das schließt nicht aus, dass durch Zufall hier und da bei Bauarbeiten unbekannte Werke auftauchen können, wie in Erfurt, wo abfallender Putz die gotischen Fresken zur Heiligen Elisabeth freigab.» 1994 wurden sie freigelegt und in den Jahren danach gesichert. Die Fresken zur Legende der Heiligen Elisabeth aus der Zeit 1360/61 gehören zu den ältesten in Europa und wurden wahrscheinlich nach dem Bauernkrieg 1525 übertüncht.
«Die Wandmalereien in Thüringen sind für die Kunstgeschichte von großer Bedeutung», erläuterte Grüger. Thüringen sei damals territorial stark gegliedert gewesen; es gab starke Einflüsse von außen. «Im Gegensatz zur Glas- und Tafelmalerei, die bisher im Fokus der Forschung standen, blieben die Wandmalereien an ihrem Entstehungsort und geben so auch Auskunft über regionale Kunstströmungen.» Neben Entstehungszeit, Malstil, Thema und Zustand werden die Arbeiten der zumeist unbekannten Meister auch entwicklungsgeschichtlich eingeordnet. Der Rudolstädter Restaurator Veit Gröschner untersucht beispielsweise frühere Restaurierungen, die bisher zu wenig beachtet wurden.
Fast alle erhaltenen Wandmalereien sind in Kirchen, Kapellen und Klöstern. «Damals hatte wahrscheinlich jede Kirche eine Wandmalerei. Heute ist davon noch eine Winzigkeit erhalten», sagte Grüger. «Profane Wandmalereien wie im Hessenhof in Schmalkalden sind die absolute Ausnahme.»
Die um 1220/1230 entstandenen Szenen über Iwein, Ritter an der Tafelrunde von König Artus, wurden Ende des 19. Jahrhunderts in einem Keller im ehemaligen Verwaltungssitz der hessischen Landgrafen entdeckt. Der Keller war lange Zeit Kartoffelkeller. Nässe im alten Gemäuer, Salze und Pilze setzen der einzigartigen, hochromanischen Malerei zu, Mal- und Putzschichten wurden zerstört. «In Schmalkalden sind quasi nur noch die Vorzeichnungen vorhanden, und auch die sind gefährdet.» Seit Jahren ist die Rettung dieser Kostbarkeit ein Schwerpunkt des Thüringer Denkmalamtes.
Die Wandmalereien in Thüringen haben eine große Themenbreite. Grüger: «Alles, was die Bibel so hergibt.» Die Marientod-Darstellung in der Pfarrkirche St. Maria in Weida gehört ebenso dazu wie die durch Umweltschäden kaum noch zu erkennende «Arche Noah» an der Außenwand der Kirche in JenaLichtenhain oder die sechs erhaltenen Apostel mit dem Glaubensbekenntnis in der Kapelle im Palas der Wartburg. Die Kapelle sei später in einem vorhandenen Raum eingebaut worden. Die Wandmalerei gebe so Hinweise auf die Bauzeit, sagte der Kunsthistoriker. «Wir gehen von 1270 aus.» Das Forschungsprojekt läuft über mehrere Jahre.
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