| Wenn Kunst auf den Hund kommt: «Walking the Dog» Von Thorsten Stegemann, dpa |
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| Donnerstag, 14. Oktober 2010 um 06:51 Uhr | ||
In Osnabrück endet die Veranstaltungsreihe «Der Hund ist auch nur ein Mensch». Die Kunsthalle Dominikanerkirche zeigt die ungewöhnliche Schau «Walking the Dog».
Osnabrück (dpa) - Ein gestrickter Vierbeiner liegt unter einem Knochen, der ihn gerade erschlagen hat. Seine Artgenossen stecken in hässlichen Blumenvasen, sie machen es sich auf einem Keramikbett aus Rosen und Knochen gemütlich oder erinnern, halb enthäutet, an die Vergänglichkeit alles Irdischen. In Osnabrück ist die Kunsthalle Dominikanerkirche auf den Hund gekommen. Allerdings mit voller Absicht, denn die ungewöhnliche Schau zeitgenössischer Kunstwerke, die vom 15. Oktober bis zum 8. Dezember zu sehen ist, trägt den Titel «Walking the Dog».
25 Künstler aus vier Ländern zeigen ihre Sicht auf die vielfältigen Beziehungsgeschichten zwischen Hund und Mensch. Kuriositäten aller Art sind unter den etwa 100 Exponaten reichlich vertreten, doch Kunsthallenleiter und Ausstellungskurator André Lindhorst beschäftigt die Besucher auch mit der tiefgründigen Frage «Wie gehen wir mit der Kreatur um?»
Die Antwort der Niederländerin Maria Smits fällt ernüchternd aus. Ihre Skulpturen aus Paraffin, Sackleinen und Kabelbindern sind willenlose Befehlsempfänger, denen nicht nur Haut und Haare, sondern auch die Köpfe entfernt wurden. Auf Andreas Amrheins Bildern nehmen die leblos wirkenden Vierbeiner neben motorisierten Statussymbolen Platz, und der Fotograf Ulrich Gebert zeigt in seiner Fotoserie «Hinterland» dressierte Zollhunde, die mit gespitzten Ohren und scharfen Zähnen auf Eindringlinge warten.
Der gewaltsame Umgang mit dem Hund, der permanent gedrillt, als Versuchsobjekt missbraucht oder gar gegessen wird, hat Folgen für die Menschen. Auch wenn sie nicht gleich grünstichig anlaufen wie die Zwergin auf Rainer Fettings imposantem Gemälde «Velazquez». Sobald Menschen ins Bild gerückt werden, sehen sie unglücklich aus, ob sie sich nun als Herrchen aufspielen oder ihre Vierbeiner zum Partner- und Kinderersatz umfunktionieren. Gerhard Kehls Objekt «In harness - Eingespannt» zeigt eine Mutter, die ihren Nachwuchs offenbar nur durch die Gegend fährt, weil er eine Hundemaske trägt. «Was bleibt der Brut anderes übrig, als sich als Hund zu verkleiden, um ein entsprechend komfortables Leben zu führen?», fragt Kehl süffisant.
Die Ausstellung wartet außerdem mit einer kleinen, aber reizvollen Reihe kunstgeschichtlicher Querverweise auf. Fettings Hommage an den spanischen Maler Velázquez (1599-1660) korrespondiert mit Arbeiten von Marta Klonowska, die sich ebenfalls von alten Meistern inspirieren lässt. Sie hat nach Bildern von Peter Paul Rubens (1577-1640) und Lucas Cranach d.Ä. (1472-1553) farbintensive Skulpturen geschaffen, die Besucher anlocken und doch zur Vorsicht mahnen: Klonowskas Hunde bestehen aus Glassplittern.
Bereits seit knapp einem Jahr beschäftigen sich Kultureinrichtungen in Osnabrück mit dem besten Freund des Menschen. Ausstellungen, Lesungen und Workshops drehten sich um die wölfischen Vorfahren, die Beziehung zwischen Kindern und Vierbeinern, die Rolle von Hunden im Ersten und Zweiten Weltkrieg oder um den «Grubenhund» (ein Förderwagen, in dem Kohle und Erz transportiert wurden), der 1987 von dem Aktionskünstler Christo verpackt wurde. Die Veranstaltungsreihe «Der Hund ist auch nur ein Mensch» endet nun in der Kunsthalle Dominikanerkirche.
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