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Abstrakte Kunst


von Michael Külbel




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Lenin statt Christuskind: Was aus den Ikonenmalern wurde Von Christof Bock, dpa PDF Drucken E-Mail
Samstag, 16. Oktober 2010 um 10:14 Uhr

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Nach der Oktoberrevolution haben russische Ikonenmaler keine Zukunft mehr. Doch die Künstlerkolonie von Palech rettet sich in die neue Zeit. An der Stelle der Madonna stehen nun Fallschirmspringer und Traktoren im Mittelpunkt. Eine Schau in Münster zeigt Meisterwerke.

 

Münster (dpa/lnw) - Russlands Ikonenmaler erlebten mit der Oktoberrevolution 1917 nichts anderes als eine künstlerische Katastrophe. Plötzlich waren sie ihrer Motive beraubt. Die Madonna, das Christuskind, das alles war plötzlich staatsfeindlich. Doch die Künstlerkolonie im Dorf Palech nordöstlich von Moskau schaffte den Neuanfang. In der Zarenzeit eines der Zentren der Ikonenmalerei, wurde Palech in Europa zum Inbegriff moderner Meisterwerke aus Lack. Eine beeindruckende Auswahl ist von Sonntag an in Münster zu sehen. Die Schau ist nach Museumsangaben weltweit bisher ohne Beispiel.

 

«Die Künstler von Palech haben alles riskiert und alles gewonnen», sagt die Direktorin des Museums für Lackkunst in Münster, Monika Kopplin. Nie wieder habe die Kunst aus Palech so große Ausdruckskraft erreicht wie in der Umbruchszeit zwischen Oktoberrevolution und dem Zweiten Weltkrieg. Kaum hatte 1930 die bekannte Traktorenfabrik in Stalingrad eröffnet, tauchten Traktoren im Bild auf. Später sind Flugzeuge, Fallschirmspringer und Partisanen Motive. Und immer wieder ist da Lenin, der seinen Arm in belehrender Geste nach oben reißt. «Das war ein fester Bilderkanon, der für Lenin reserviert war», so Kopplin. «Das Leninbild spielte eine herausragende Rolle.»

 

Arbeiten mit Lack, das ist eine so aufwendige Fertigkeit, dass alle Handgriffe kaum in Kürze zu beschreiben sind. Nur die Haare des Eichhörnchens sind am Pinsel fein genug, um solche filigrane Szenen auf Bildern und Schatullen zu erschaffen. In immer neuen Schichten verarbeitet man Blattgold. Auf der Größe eines Handtellers zeigen die Maler Szenen von dekadenter Vergangenheit und glorreicher Gegenwart - oder es toben Schlachten.

 

Die Palecher Künstler, allen voran das Genie Iwan Golikow (1887- 1937), malen vordergründig naive Motive vom Landleben. Sie erzählen jedoch viel von der frühen Sowjetunion. Schilder an Hütten wie «Exekutivkomitee», sozialistische Parolen und hintergründige Metaphern führen tief in eine chaotische Revolutionszeit. Mit diesem Stil gewann Palech viele Preise, so auf der Biennale in Venedig 1924.

 

Golikow habe anfangs in echter Begeisterung gemalt, schildert die Leiterin der Abteilung für Lacke am Allrussischen Museum für dekorativ angewandte und Volkskunst, Ljudmila Pirogowa. «Wie auch Majakowski dachte er, die Revolution sei eine schöne Braut, die nach Russland kommt und den Dreck wegmacht.» Nach und nach ernüchtert er. «Golikow ist eines natürlichen Todes gestorben. Aber es ist mit 100- prozentiger Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass er sonst unter Stalin verhaftet worden wäre.» So ging es mehreren Palechern.

 

Gespenstische Weitsicht beweist ein in feinsten Details bemaltes Paneel von Pawel Bashenow, das Hitler als deutschen Ordensritter zeigt. Das Hakenkreuz auf dem Brustpanzer, reitet er nach Osten. Totenschädel säumen seinen Weg. Seine Lanze zielt auf das bunte, fortschrittliche Russland mit seinen Metrostationen und dem (nie fertiggestellten) Palast der Sowjets. «Das Faszinierende ist, dass es schon 1935 entstanden ist», sagt Kopplin. Also sechs Jahre vor dem Angriff auf die Sowjetunion. Auch das Ende von Hitler-Deutschland haben die einstigen Ikonenmaler verarbeitet: Eine rötlich strahlende Mutter Russland triumphiert auf dem Berliner Reichstagsgebäude.

 

Die Schau besteht zum größten Teil aus Leihgaben aus Russland. 90 Prozent der Exponate hätten Jahrzehnte in Museumsdepots verbracht, sagt Pirogowa. Sie sind erstmals der Öffentlichkeit zugänglich.

 

 

http://www.museum-fuer-lackkunst.de

 



Tags: palech  f  
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