| Titel «Museum des Jahres» belohnt Arbeit von Mössinger Von Tino Moritz, dpa |
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| Samstag, 16. Oktober 2010 um 10:14 Uhr | ||
Diesen Preis bekommt man nur einmal, weiß Ingrid Mössinger. Die Generaldirektorin der Kunstsammlungen Chemnitz freut sich über den Titel «Museum des Jahres». Ohne sie hätte es ihn auch nicht gegeben.
Chemnitz (dpa) - Es ist nicht so, dass Ingrid Mössinger für ihre Arbeit als Chefin der Kunstsammlungen Chemnitz noch keine Preise eingeheimst hätte. Die am Mittwoch bekanntgewordene Auszeichnung der deutschen Kunstkritiker als «Museum des Jahres 2010» habe sie aber schon überrascht, sagte die Generaldirektorin am Tag danach. Zwar habe sie vorher schon über Umwege Wind davon bekommen - schließlich fiel die Entscheidung bereits auf der Mitgliederversammlung der deutschen Sektion des Internationalen Kunstkritikerverbandes AICA am 7. Oktober. «Aber so etwas glaube ich erst, wenn ich es schwarz auf weiß habe.»
Von dem Verband, dem inzwischen 190 deutsche Kunstkritiker angehören, hat Mössinger nun schriftlich, dass den Kunstsammlungen nach der Wiedervereinigung eine «veritable Wiederauferstehung» mit «spektakulärer Ausstellungstätigkeit» gelungen ist. Daran hat die gebürtige Schwäbin beträchtlichen Anteil: Seit 14 Jahren führt Mössinger bereits das Museum. Zu ihren Coups gehören die weltweit erste Ausstellung von Aquarellen der Sängerlegende Bob Dylan. 120 000 Kunstfans hatten 2002/03 die Schau «Picasso und die Frauen» gestürmt. Sie zeigte «Edvard Munch in Chemnitz» und «Ernst Ludwig Kirchners Deutschlandreise».
Zudem konnte die engagierte Kunsthistorikerin die Privatsammlung des Münchner Galeristen Alfred Gunzenhauser auf Dauer nach Chemnitz holen. Die wird bereits seit knapp drei Jahren in einem eigens zum Museum umgebauten früheren Sparkassengebäude präsentiert. Schon deshalb galt manchen der Preis für Chemnitz als überfällig. Doch für das einmütige Votum der etwa 40 Kunstkritiker gab es einen aktuellen Anlass: Erst vor drei Monaten wurde die Ausstellungsfläche im König- Albert-Museum verdoppelt.
Damit haben die Kunstsammlungen bessere Möglichkeiten zur Präsentation des eigenen Bestandes, zu dem auch die weltweit zweitgrößte Kollektion des Brücke-Mitbegründers Karl Schmidt-Rottluff (1884-1976) gehört. Mössinger legt freilich auch großen Wert auf Zeitgenössisches. «Jede Epoche bringt eigene Kunst hervor.» Neugierde treibt sie an - und Optimismus. «An jedem Ort ist es möglich, Höchstqualität zu zeigen», sagt sie. Chemnitz, oft im Schatten von Dresden und Leipzig stehend, sei zu DDR-Zeiten ideologisch auf die Rolle als Industriestadt beschränkt worden. «Aber die Stadt ist 850 Jahre alt».
An ihrer Arbeit wird der Preis wohl nichts ändern. «Wir tun sowieso das Bestmögliche. Das ist vor allem eine Frage der Haltung», sagt sie. Dazu gehört es auch, nicht ständig vor Budget-Engpässen zu warnen. Zwar weist auch Mössinger galant darauf hin, dass man Aufgebautes auch wieder einreißen könne und die «Strahlkraft des Museums» Kürzungen durch die Politik als unvernünftig erscheinen ließen. Sie verfolgt weiter Ausbaupläne für ihr Museum - ungeachtet der Debatte um drastische Einschnitte für die Kultur in der Stadt. «Ich sehe immer ein halbvolles Glas.»
www.kunstsammlungen-chemnitz.de
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