| Völkerkundemuseum braucht Geld für Damaskuszimmer |
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| Samstag, 16. Oktober 2010 um 10:14 Uhr | ||
Das Dresdner Damaskuszimmer ist ein Traum aus 1001 Nacht. Doch der Blick auf die prachtvolle Vertäfelung im Japanischen Palais ist noch getrübt. Dem Museum für Völkerkunde fehlt Geld zur Restaurierung.
Dresden (dpa/sn) - Das Völkerkundemuseum Dresden braucht Geld für sein bedeutendstes Restaurierungsvorhaben - das Damaskuszimmer. Die Arbeiten an dem orientalischen Kleinod begannen vor 13 Jahren. Ein Ende ist nicht absehbar, da die Wiederherstellung fast ausschließlich aus Spendengeldern erfolgt. Restauratorin Anke Scharrahs stellte die aufwendige Restaurierung am Freitag vor. Bisher flossen etwa 100 000 Euro in das ehrgeizige Vorhaben. Weitere 200 000 bis 400 000 Euro seien nötig, um es zu vollenden, sagte Scharrahs.
Letztmals floss im Frühjahr Spendengeld - eine alte Dresdnerin verzichtete auf ihre geplante Syrienreise und gab die 2000 Euro lieber für das Zimmer. Die nächste Überweisung ist zumindest in Sicht: Ein Richter aus Kassel spendet seit Jahren regelmäßig sein Weihnachtsgeld.
Das Damaskuszimmer ist eine prächtig bemalte und mit verschiedenen Metallen verzierte Wand- und Deckenvertäfelung aus einem Damaszener Wohnhaus. Sie schmückte einst den Empfangsraum für Gäste und ist auf das Jahr 1810 datiert. 1899 gelangte die aus mehr als 100 Teilen bestehende Verzierung nach Deutschland, seit 1930 gehört sie zum Bestand des Völkerkundemuseums in Dresden. Erst 1997 wurde die Rarität aus dem Depot geholt und im Japanischen Palais aufgebaut.
Nach Angaben des Museums besitzen nur das Metropolitan Museum in New York und das Museum für islamische Kunst in Berlin vergleichbare Beispiele osmanischer Innenarchitektur. Scharrahs hat bei Arbeiten in Damaskus etwa 100 Zimmer dieser Art gefunden, allerdings nur etwa fünf in gut erhaltenem Zustand.
2009 hatte das Metropolitan Museum Anke Scharrahs für eine Restaurierung engagiert. Allerdings schreckten die Amerikaner am Ende davor zurück, die Firnisschichten abzutragen und beließen es lieber beim alten Zustand. In Dresden geschieht die Restaurierung in zwei wesentlichen Schritten. Zunächst wird die lockere Farbschicht mit Fischleim auf dem Pappelholz befestigt. «Diese Arbeit ist zu 90 Prozent erledigt», sagte Scharrahs.
In einer zweiten Phase trägt sie Firnis ab, an schadhaften Stellen bessert sie mit Aquarellfarben nach. Allerdings wird das Zimmer nie mehr in der ursprünglichen Farbgebung strahlen - Farben wie das Indigoblau sind einer natürlichen Dunklung ausgesetzt. Auch die Patina der Metalle bleibt erhalten. Scharrahs verwies auch auf interessante Details des 22 Quadratmeter großen Zimmers: In einer Wand ist eine Nische enthalten, in der die Wohnungsbesitzer Bettzeug stapelten - als Geste an den Gast, dass er jederzeit auch zur Übernachtung willkommen ist.
Inzwischen sind die freischaffende Restauratorin und ein syrischer Kollegen auch in Damaskus mit der Renovierung noch genutzter Zimmer beschäftigt. In Dresden geht es wegen fehlender Gelder nur schrittweise vorwärts. Deshalb brauchen die Museumsbesucher auch Glück, wenn sie Scharrahs bei Arbeit im Japanischen Palais zusehen wollen. In Syrien schätzt man die Bemühungen offenbar sehr. Scharrahs erzählte von einem Mann, der sich ihr zu Füßen warf, als er von der Restaurierung erfuhr.
An diesem Sonntag wird das Dresdner Damaskuszimmer zum 200- jährigen Bestehen gefeiert - mit Märchenlesung, Bauchtanz, arabischen Speisen und vielen Vorträgen.
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