| Wirtschaftsfaktor Kunst: Museen sollen Marke werden Von Britta Schultejans, dpa |
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| Samstag, 16. Oktober 2010 um 10:14 Uhr | ||
München ist bekannt für seine Museumslandschaft. Weil Stadt und Land aber über Jahre hinweg lieber stritten, als an einem Strang zu ziehen, fehlte lange ein gemeinsames Konzept für städtische und staatliche Museen. Das soll sich nun ändern. Das große Vorbild ist Berlin.
München (dpa/lby) - München ist reich an Schätzen - und die meisten von ihnen lagern in den mehr als 50 Museen und Kunsthäusern der bayerischen Landeshauptstadt. Gemälde von Rubens und Rembrandt werden dort genauso aufbewahrt wie vorchristliche Fundstücke und viele weitere Exponate. Das Online-Museumsportal www.museen-in-muenchen.de listet 52 Häuser auf - von A wie Alpines Museum des Deutschen Alpenvereins bis Z wie Zentralinstitut für Kunstgeschichte.
Viele der Häuser sind international bekannt und werden so zum wichtigen Wirtschaftsfaktor. Nach Angaben des städtischen Kulturreferates reisen rund 60 Prozent der Touristen vor allem wegen des kulturellen Angebotes nach München - «und da stehen die Museen mit ihren großen Sammlungen natürlich ganz oben in der Gunst der Besucher», sagt Kulturreferent Hans-Georg Küppers.
Stadt und Freistaat wollen dieses Potenzial nun besser nutzen. Die Münchner Museen sollen besser zusammenarbeiten und zu einer unverkennbaren Marke werden - das gilt besonders für das Kunstareal rund um die weltbekannten Kunstmuseen, die Pinakotheken. «Ich finde es am problematischsten, dass wir hier auf engstem Raum so viele Museen haben, die der Weltspitze zugerechnet werden, und dass wir diese Häuser viel zu wenig als Gemeinsamkeit wahrnehmen», sagt Bayerns Kunstminister Wolfgang Heubisch (FDP). «Da fehlt einfach eine gemeinsame Marke». Das große Vorbild: Die Museumsinsel in Berlin.
Warum die Zusammenarbeit bislang noch nicht sonderlich eng war, hat einen einfachen Grund: Die Beziehung zwischen Staatsregierung und der SPD-geführten Stadt war unter der Alleinherrschaft der CSU im Freistaat jahrelang nicht die beste. Heubisch schildert: «In früheren Zeiten gab es da schon Befindlichkeiten zwischen Stadt- und Staatsspitze. Daran liegt es auch, dass es einfach lange kein gemeinsames Konzept gab.» In den vergangenen Jahren aber habe sich die Zusammenarbeit deutlich verändert und verbessert, betont Heubisch ebenso wie Küppers.
Gemeinsam haben Stadt und Staat sich jetzt ein Großprojekt auf die Fahnen geschrieben: Die Neugestaltung des Kunstareals rund um die Pinakotheken. Seit Jahren im Gespräch, beginnen die Pläne nun Form anzunehmen. «Die Idealvorstellung ist, dass sich dieses Kunstareal als ein Kunstquartier vermarkten lässt», sagt Küppers. Heubisch erläurtert: «Die Häuser arbeiten - mit Ausnahme der Pinakotheken vielleicht - noch zu stark für sich allein.» Eine Arbeitsgruppe von Stadtplanern und Architekten aus aller Welt ist gerade dabei, erste Konzepte zu entwickeln.
«Wir haben im Kunstareal 16 Museen», sagt die Professorin für Städtebau und Regionalplanung an der Technischen Universität München, Sophie Wolfrum. «Da gibt es Potenziale, die darauf warten, wachgeküsst zu werden.» Viele Besucher etwa fänden die Eingänge zu den zahlreichen Häusern nur schwer. Eine einheitliche Beschilderung müsse her. Außerdem sei die Verkehrssituation ein großes Problem.
«Die Straßen rund um das Areal sind zum Teil so stark befahren wie Autobahnen», sagt auch Minister Heubisch, der für ein zukünftiges Kunstquartier große Vorstellungen hat: «Das ist natürlich ein Traum, aber ich formuliere ihn trotzdem: Ich wünsche mir, dass wir irgendwie - mit einer tollen architektonischen Lösung - unter- oder überirdisch von der Hochschule und dem Ägyptischen Museum eine Anbindung zum Pinakotheken-Bereich hinbekommen würden.»
Küppers warnt allerdings davor, die anderen Münchner Museen aus dem Blick zu verlieren. Er träumt von gleich drei Museumsarealen: dem Kunstareal, dem Gebiet rund um Städtisches und Jüdisches Museum und dem Gebiet an der Prinzregentenstraße rund ums Haus der Kunst und dem Bayerischen Nationalmuseum. Das sei aber alles noch Zukunftsmusik, betont er.
Erstmal wolle man sich auf das Kunstareal konzentrieren. Wieviel Geld für die Neugestaltung überhaupt zur Verfügung steht, ist allerdings noch völlig unklar. Heubisch verspricht sich einiges von der Bewerbung Münchens für die Olympischen Spiele 2018. Kunst und Kultur seien da «ein wichtiges Kriterium». Eines ist aber ohnehin schon klar: Ohne private Sponsoren geht nichts.
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