| Biennale-Pavillon wird zur Ausstellung über Schlingensief Gespräch: Inga Radel, dpa |
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| Donnerstag, 21. Oktober 2010 um 08:22 Uhr | ||
Frankfurt/Main (dpa) - Der Deutsche Biennale-Pavillon 2011 wird nun keine Ausstellung von Christoph Schlingensief - sondern über den im August gestorbenen Künstler. «Es bleibt bei Christoph Schlingensief, das ist die grundsätzliche Entscheidung», sagte Pavillon-Kuratorin Susanne Gaensheimer am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa. Aber die Ideen und Pläne Schlingensiefs, «an denen wir bislang gearbeitet haben, werden wir nicht umsetzen». An Schlingensiefs Konzept seien knapp ein Jahr vor der Biennale noch zu viele Fragen offen gewesen. Gaensheimer verwies auch auf «diese Arbeitsweise von Christoph Schlingensief - dass sich bis zum Schluss permanent noch etwas verändert».
Die Direktorin des Frankfurter Museums für Moderne Kunst bedauerte: «Ich hatte gehofft, dass wir das umsetzen können, was er vorhatte.» Nun einen anderen Künstler zu engagieren, sei für sie nie infrage gekommen. Die Entscheidung für die Schau «über ihn statt von ihm» habe sie in Absprache mit der Witwe getroffen. «Aino Laberenz ist für mich der Ersatz der künstlerischen Instanz.» Schlingensief starb am 21. im August an Lungenkrebs. Er wäre am 24. Oktober 50 Jahre alt geworden.
Seine Vorstellungen für den Pavillon, die er bereits in mehreren Arbeitssitzungen umrissen hatte, sollen dokumentiert werden: In den nächsten Monaten soll es dazu nach und nach Informationen auf der Internetseite des Deutschen Pavillons geben. Zur im Juni 2011 beginnenden 54. Biennale in Venedig werden seine Ideen als Buch veröffentlicht, wie Gaensheimer sagte. Was Schlingensief vorhatte, verrät sie nicht. «Wir wollen natürlich noch ein bisschen an Spannung aufheben.»
Zur geplanten Schlingensief-Werkschau in dem Pavillon erklärte die 43-Jährige: «Da werden wir existierende Werke von ihm zeigen, die wir entweder rekonstruieren oder so, wie sie vorhanden sind, zeigen. Da wird ein Werk den Schwerpunkt bilden, aber auch da wollen wir ein Überraschungsmoment aufheben.» Weiter sagte sie: «Es werden natürlich seine Filme eine Rolle spielen, es wird Afrika eine zentrale Rolle spielen, es wird das Prinzip des Animatographen eine Rolle spielen.» An der konkreten künstlerischen Umsetzung würden neben seiner Witwe, Kostüm- und Bühnenbildnerin Aino Laberenz, noch weitere Menschen aus dem Mitarbeiterkreis Schlingensiefs beteiligt, sagte Gaensheimer.
«Mein Anliegen ist jetzt, das Werk Christoph Schlingensiefs auch auf einer internationalen Plattform zu zeigen», sagte sie. International sei das Werk insbesondere in der Kunst noch nicht so bekannt, «im Theater ist das anders». Dabei sei er «überhaupt kein reiner Theatermann». «Für mich ist er einer der wichtigsten Künstler in diesem Land.» Presse-Stimmen, die ihn als größten deutschen Künstler nach Joseph Beuys würdigten, schließe sie sich an. «Der Grund dafür ist, dass er sich über 30 Jahre in einer unglaublichen Intensität, Dichte und Stringenz mit dem, was man im weitesten Sinne als Deutschsein bezeichnen könnte, beschäftigt hat. Und zwar auch immer in einer wirklichen Radikalität - der Gesellschaft und sich selbst gegenüber.»
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