| Krise und Kunst: Große Schau im Marta-Museum Von Regina Doblies, dpa |
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| Donnerstag, 21. Oktober 2010 um 08:22 Uhr | ||
Reaktionen auf eine Welt in unsicheren Zeiten: Eine Ausstellung im Marta-Museum in Herford widmet sich dem Unbehagen in der Kunst.
Herford (dpa/lnw) Bedrohlich nahe über den Köpfen der Besucher schwebt die 18 Meter lange Skulptur «Schatten 2» von Sonja Vordermaier. Mit einem Samuraischwert aus einem für die Raumfahrt entwickelten Schaumstoff geschnitten, wirkt das kantige schwarze Gebilde wie ein riesiger Vogel. Oder wie ein Meteorit, der im nächsten Moment herabstürzen könnte. Die im Jahr 2010 entstandene Großskulptur weckt ein Gefühl des Unbehagens und der Verwirrung. Dies trifft auf alle 135 Kunstwerke der Themenausstellung «Unsichtbare Schatten Bilder der Verunsicherung» zu, die bis zum 28. November im Marta Herford zu sehen ist.
Die Präsentation mit Arbeiten von 47 Künstlern geht der Frage nach, wie die Kunst in Zeiten der Krise die Erfahrung der latenten Verunsicherung erlebbar macht. «Das Spektrum der gezeigten Werke reicht von vermeintlich heiteren, sinnlich-verführerischen Bildwelten mit irritierenden Brüchen oder unterschwelliger Aggression bis zu Momenten komischer oder verblüffender Effekte», beschreibt Roland Nachtigäller, Leiter des Marta, die von ihm konzipierte Ausstellung.
Zumeist erst auf den zweiten Blick entdeckt man bei zahlreichen Werken eine zweite inhaltliche Ebene. So entpuppen sich die wie Samt erscheinenden Vorhänge von Navid Nuur als Streifen aus kratzigem Schleifpapier. Auch werfen die Linien in Christian Schwarzwalds Wandmalerei «Spinnen» dort Schatten, wo eigentlich keine zu sehen sein dürften, und verliert die beruhigende Aussage «Dont worry» als blinkender Werbebanner von Martin Creeds seine Bedeutung.
54 Tänzerinnen aus Porzellan hat Alicja Kwade zu der Installation «Weißes Gold» angeordnet. Die Augen der Figuren hat sie so verändert, dass alle ihren Blick auf einen imaginären Punkt an der Decke richten. Ebenso verstörend ist auch das schwarze Einhorn von Olaf Nicolai mit dem Titel «La Lotta» (Der Kampf). Das auf dem Boden ausgestreckte Fabelwesen strahlt Wärme aus. «Es besitzt eine Körpertemperatur von knapp 43 Grad Celsius, die für Menschen tödlich ist», sagt Roland Nachtigäller.
Neben den überwiegend zeitgenössischen Arbeiten verdeutlichen fünf Zeitkapseln, wie Künstler aus dem 19. und 20. Jahrhundert sich mit der Krisenahnung und dem Gefühl der Verunsicherung auseinandergesetzt haben. Wie eine harmlose Kinderzeichnung wirkt das Bild «Blaumantel» von Paul Klee. Doch das vermeintlich niedliche katzenartige Tier bleckt die Zähne und wirft dem Betrachter einen bedrohlichen Blick aus weit aufgerissenen Augen zu. Kurze Zeit nach der Entstehung des Bildes starb Paul Klee im Schweizer Exil an einer unheilbaren Krankheit.
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