| Behütete Altlasten - Kunstwerke im Wismut-Archiv Von Tino Moritz, dpa |
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| Sonntag, 24. Oktober 2010 um 09:38 Uhr | ||
Die größte Kunstsammlung eines DDR-Unternehmens ist öffentlich nicht zugänglich. Aber es gibt sie noch: Im Archiv des früheren Uranbergbaubetriebs Wismut lagern etwa 2000 Werke - und das ist nur die Hälfte. Darunter sind Arbeiten von Tübke und Heisig.
Chemnitz (dpa) - Die «Brigade Rose» hatte es schwer. Mehr als 20 Jahre lang empfing sie die Bergmänner zum Schichtbeginn. Im Foyer des Wismut-Betriebes im thüringischen Paitzdorf war das 2,20 mal 2,40 Meter große Ölgemälde Wind und Wetter ausgesetzt. Farbe platzte ab, die Befestigung rostete, die Hartfaserplatten wölbten sich. Als nach der Wende die milliardenschwere Sanierung der Altlasten des DDR- Uranbergbaus begann, gelangte das 1970 gemalte Bild irgendwann ins Chemnitzer Archiv der Wismut. Dort hat es der Berliner Künstler Werner Petzold (70) nun wieder restauriert.
Einen «Glücksfall» nennt er es, sein eigenes Bild ausbessern zu können. Petzold war zu DDR-Zeiten 14 Jahre lang Auftragskünstler für die Wismut. «Kontakte zwischen Bildenden Künstlern und Betrieben waren erwünscht», erinnert sich der gebürtige Leipziger an die Anfänge 1969 zurück. Damals war er noch keine 30 und wurde gefragt, ob er Interesse an «bergmännischen Motiven» hätte. Er habe darin ein Abenteuer gesehen und schließlich den Alltag der Bergleute miterlebt. «Wir haben uns kennengelernt, ich war bei allem dabei und auch Untertage» - in der damals fast militärisch abgeschotteten Wismut- Welt keine Selbstverständlichkeit.
Doch für Künstler wurde im Bergbaubetrieb mit zeitweilig bis zu 120 000 Beschäftigten, die zu DDR-Zeiten rund 231 000 Tonnen Uran aus der Erde holten, eine Ausnahme gemacht. Der einst als sowjetische Aktiengesellschaft gegründeten Wismut kam auch dabei eine besondere Rolle zu: Ihre Parteifunktionäre vergaben die ersten Aufträge an Maler sogar noch vor der offiziellen Verkündung des «Bitterfelder Wegs» 1959. Dieser sah den verstärkten Austausch von Künstlern und Arbeitern vor. «Greif zur Feder, Kumpel», hieß es damals. Sozialistische Werktätige sollten allseits gebildet sein - aber eben auch angemessen dargestellt werden.
Ein reges Auftragswesen in Ostdeutschland folgte, das für umfangreiche «Kombinatskunstsammlungen» sorgte. An die dachte zur Wendezeit allerdings kaum jemand. So wurde auch im Fall der 1991 als Bundesbetrieb für die Beseitigung der Altlasten gegründeten Wismut GmbH nirgends geregelt, was aus den Kunstwerken werden soll. Nach Aussagen von Geschäftsführer Hardi Messing ist deren Zukunft weiter offen. Im Grundsatz gebe es zwei Sichten: «Die einen meinen, als Rechtsnachfolger muss die Wismut GmbH auch dieses Erbe pflegen. Die anderen sagen: Wir können uns nicht auch noch um DDR-Kunst kümmern.»
Wismut-Archivchef Thomas Hennicke betont, dass neben Kunst auch Betriebsunterlagen der Wismut gut behütet sind - und damit erstklassige Hintergründe zur Entstehung der Bilder liefern. «Im Bestand ragen Landschaftsdarstellungen oft mit übertägigen Bergbauanlagen, untertägige Szenen und Arbeiterporträts heraus», sagt Kunsthistorikerin Annette Spreitz. Sie zählt Fakten auf, die aus der Wismut-Kunstsammlung die umfangreichste eines DDR-Unternehmens machen: 4137 Kunstwerke mit 2132 verschiedenen Motiven von 450 Künstlern. Zu den 3353 Grafiken gehören Arbeiten von Willi Sitte und Bernhard Heisig. Eine Mappe zum 30-jährigen Betriebsjubiläum der Wismut 1976 enthält eine Lithografie mit dem Porträt eines Bauarbeiters von Werner Tübke. «Viele Vertreter der Leipziger Schule waren für die Wismut tätig», sagt Spreitz.
Der Dresdner Kunstsoziologe Karl-Siegbert Rehberg, der sich im großangelegten «BildAtlas»-Forschungsprojekt mit der DDR-Kunst befasst, nennt den Wismut-Schatz eine «sehr hochkarätige Sammlung», die unbedingt sichtbar werden müsse. «Viele ostdeutsche Museen zeigen im Verhältnis zu ihren Beständen zu wenig DDR-Kunst, etwa auch das Albertinum in Dresden. Dort lagert Spitzenkunst von Mattheuer und Tübke im Depot», moniert Rehberg. Er kennt die Vorbehalte. «Der Bilderstreit wird weitergeführt. Seine Brisanz hängt damit zusammen, dass man überhaupt infrage stellt, dass die DDR-Werke Kunst seien.»
Maler Petzold, der für die Wismut-Sammlung allein 281 Werke beisteuerte, geht davon aus, dass der zeitliche Abstand noch zu gering ist. «Die Aufarbeitung der sogenannten DDR-Kunst hat doch noch gar nicht stattgefunden.» Erst vor einem Jahr war sein 1974 entstandenes Monumentalbild «Die friedliche Nutzung der Atomenergie» angesichts seiner Wiederaufstellung auf einem freien Feld im thüringischen Löbichau von Kommunalpolitikern als «demagogisches Werk» bezeichnet worden.
Wissenschaftler Rehberg warnt derweil davor, Auftragskunst per se als schlecht abzutun. «Das klingt immer so negativ. Dabei waren die meisten Werke in der Kunstgeschichte Auftragswerke.» In der Wismut- Sammlung macht ihr Anteil die Hälfte aus, sagt Spreitz. Die andere Hälfte hätten Kulturfunktionäre aus dem Staatlichen Kunsthandel der DDR oder Galerien erworben. Sie habe eigentlich gar nicht gewollt, dass Petzold die «Brigade Rose» restauriert - aus Angst, er könne Details verändern. «Heisig zum Beispiel hat einige Bilder im Nachhinein übermalt.»
Petzold kam dies aber nicht in den Sinn. Auf die Darstellung der sieben recht optimistisch dreinblickenden Mitglieder der Jugendbrigade Rose ist der Maler auch heute noch stolz. «Ich hab auch schlechtere Bilder gemalt.»
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Hallo,
ich suche schon lange dem dem Bild der Brigade "Rose " gesucht. Mein Vater ist mit auf diesem Bild der 3. von rechts. Leider verstarb er im Alter von 47 Jahren. Ich bin sehr glücklich darüber das dieses Bild reatauriert wird.
Lang habe ich im Internet gesucht um etwas über den Verbleib des Bildes zu finden, ich wußte damals den Namen der Brigade nicht mehr, auch meine Mutter konnte mir nicht weiter helfen. Der Name meines Vater war Rudi Helmut Groneberg, aus Greiz. Er hatte damls auch ein Buch "Das russische Wunder" bekommen, da war ein Foto von dem Bild mit drin, leider haben wir das nicht mehr.
Wollte mich nur mal melden, weil ich mich sehr gefreut habe. MFG
Birgit Herholz-Groneberg