| Forscher: Volle Klarheit über Herkunft von Museumsbeständen utopisch Gespräch: Simona Block, dpa |
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| Montag, 25. Oktober 2010 um 06:46 Uhr | ||
Dresden (dpa) - Der Forscher Gilbert Lupfer hält eine vollständige Erforschung von Museumsbeständen hinsichtlich jüdischen Kunstbesitzes für utopisch. «Die Provenienzforschung wird nie abgeschlossen sein, da in einzelnen Fällen immer eine gewisse Restunsicherheit bleiben kann», sagte der Projektleiter bei den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) der Nachrichtenagentur dpa. «Es gibt Fälle, wo wir nie zu einem abschließenden Ergebnis kommen werden, da es keine Unterlagen mehr gibt.» Bei keinem der zwölf Museen der SKD bisher sei definitiv alles klar. «Es bleiben immer einzelne Restunklarheiten», sagte der Provenienzforscher.
«Man wird nie den Status erreichen, jegliche Herkunft aller seit 1933 in die Sammlungen gelangter Objekte lückenlos aufklären zu können; aber wir versuchen uns da möglichst weit anzunähern.» Im Gegensatz zu Museen im Westen schaue die Forschung im Osten ja nicht nur nach jüdischem Kunstbesitz, der zwischen 1933 und 1945 entzogen wurde, sondern etwa auch nach Stücken aus der sogenannten Schlossbergung 1945 und Beschlagnahmungen von «Republikflüchtlingen» zu DDR-Zeiten.
Bei den SKD ist diese Recherche Teil eines 15-Millionen-Euro- Forschungsprojekts. Seit 2008 werden die Bestände der zwölf Museen inventarisiert und recherchiert. Zur Erfassung der insgesamt 1,2 Millionen Objekte wurde die Museumsdatenbank «Daphne» entwickelt, die erstmals die systematische Recherche der Herkunft sämtlicher Zugänge seit 1933 ermöglicht - ein Modellprojekt für alle Museen in Deutschland.
Bisher wurden laut Lupfer aber nur vereinzelte Stücke gefunden, die unrechtmäßig in die Sammlungen kamen. «Gemessen am Gesamtbestand liegt das im Promillebereich.» Es sei nicht etwa der Großteil des Bestandes unrechtmäßig dort. Zwar gebe es zum Beispiel einzelne Gemälde, die im Rahmen des «Sonderauftrags» für das geplante «Führermuseum Linz» nach Dresden gekommen und bei Kriegsende 1945 zufällig dageblieben seien. «Hier muss man aber genau untersuchen, ob sie nicht jüdischen Sammlern entzogen wurden.»
«Bei der sogenannten Raubkunst aus jüdischem Eigentum wurden dank "Daphne" und früherer Recherchen bereits mehr als 250 Kunstwerke zurückgegeben», berichtete Lupfer. Bei mehreren Dutzend weiteren Stücken werde derzeit mit Erben oder Anspruchsberechtigten verhandelt. «Wenn die Herkunft klar ist, suchen wir Ansprechpartner, und mit viel Glück stoßen wir selbst auf Erben.» Wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise werde es für die meisten der SKD-Museen aber wohl länger als die ursprünglich geplanten zehn Jahre dauern.
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