| Zaha Hadid mischt Männerwelt der Star-Architekten auf Von Britta Gürke, dpa |
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| Dienstag, 26. Oktober 2010 um 07:02 Uhr | ||
Der ganz große Ruhm kam für Zaha Hadid relativ spät. Zum 60. Geburtstag hat die gebürtige Irakerin die Weltspitze der Architektur-Stars aber endlich erklommen.
London (dpa) - Norman Foster, Daniel Libeskind, Richard Rogers - selbst wer von Architektur keine Ahnung hat, kennt doch solche weltberühmten Namen. Es sind die großen zeitgenössischen Architektur-Stars, deren Entwürfe in der ganzen Welt gefragt sind. Lange Zeit war in den obersten Etagen der Baukunst kaum eine weibliche Macherin zu finden. Doch die irakisch-britische Architektin Zaha Hadid hat das geändert. Dabei legte sie erst relativ spät richtig los. Zu ihrem 60. Geburtstag am 31. Oktober darf sie sich selber zu einer außergewöhnlichen Karriere in einer Männerwelt gratulieren.
Spätestens als sie 2003 das erste von einer Frau realisierte Museumsgebäude in den USA fertigstellte - das Contemporary Arts Center in Cincinnati im Bundesstaat Ohio - hatte sie sich durchgesetzt. Im vergangenen Frühjahr öffnete das ebenfalls von ihr entworfene nationale Museum für die Künste des 21. Jahrhunderts (MAXXI) in Rom. Es wurde als Ereignis für die Ewige Stadt gefeiert. Die Konstruktion aus Zement, Glas und Stahl mit hohen und hellen Räumen hat keine rechten Winkel. Damit setzte Hadid erneut eine der Ideen um, die sie schon Jahrzehnte zuvor auf Papier gebannt hatte.
In den 80er Jahren nämlich war Hadid zwar durchaus schon ein Name. Viele ihrer Entwürfe mit exzentrischen Schrägperspektiven und frei schwebenden Bauteilen allerdings blieben Fiktion. Sie musste sich anhören, ihre Arbeiten seien eher für Galerien geeignet als für die Wirklichkeit. Eine größere Öffentlichkeit wurde 1983 aufmerksam auf sie, als sie ihren nicht realisierten Entwurf für den Freizeit- und Erholungspark «The Peak Leisure Club» in Hongkong vorstellte, der keinen einzigen rechten Winkel vorsah.
Heute wird sie als «Erfinderin des Post-Konstruktivismus» gefeiert. 2004 erhielt sie als bisher einzige Frau den renommierten Pritzker-Architekturpreis. In Deutschland kann man Werke von ihr mittlerweile an mehreren Orten sehen. Das Vitra-Feuerwehrhaus in Weil am Rhein etwa. Oder das Zentralgebäude im Leipziger BMW-Werk, das ihr den Deutschen Architekturpreis einbrachte.
Traurig ist sie allerdings darüber, dass sie vergleichsweise wenige Aufträge in ihrer Wahlheimat Großbritannien bekommt, sagte sie einmal. Die als temperamentvoll und ein bisschen exzentrisch geltende Hadid hat ihr Büro in London. Dorthin war sie Anfang der siebziger Jahre für ihr Studium an der an der renommierten Architectural Association School gekommen.
Aufgewachsen ist sie in Bagdad. Ihr Vater war ein wohlhabender Geschäftsmann und Mitbegründer der Progressive Democratic Party. Die Familie lebte einen westlichen Lebensstil und verließ den Irak nach der Machtübernahme des Diktators Saddam Hussein und dem Ausbruch des Krieges mit dem Iran in Richtung Jordanien. Doch künstlerische Freiheit erfuhr sie nach eigenen Worten erst in London: «Meine Wahlheimat ist Großbritannien, das einzige Land, in dem man künstlerisch erfolgreich und zugleich exzentrisch sein kann.»
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