| Neue Hoffnung für das Altonaer Museum - Parlament will Konzept |
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| Donnerstag, 28. Oktober 2010 um 07:14 Uhr | ||
Hamburg (dpa/lno) - Für das von der Schließung bedrohte Altonaer Museum in Hamburg scheint es neue Hoffnung zu geben. Die Bürgerschaft forderte den Senat am Mittwoch mit den Stimmen der Regierungskoalition von CDU und GAL auf, «kurzfristig ein Konzept für den Standort des Altonaer Museums und seinen Außenstellen (...) als Bestandteil eines Gesamtkonzepts für die Weiterentwicklung der Stiftung Historische Museen vorzulegen».
Noch am Abend wollten Bürgermeister Christoph Ahlhaus und Kultursenator Reinhard Stuth (beide CDU) auf einem Kulturgipfel mit Betroffenen über das Museum und millionenschwere Einsparungen bei den Bücherhallen und beim Deutschen Schauspielhaus diskutieren. Vor dem Gästehaus des Senatsdemonstrierten rund 60 Kürzungsgegnern. Sie zogen Laternen schwenkend und singend vom Hotel Atlantik zum Gästehaus.
Hintergrund der Auseinandersetzung sind Kürzungspläne des schwarz-grünen Senats, der sich Anfang September wegen der desolaten Haushaltslage auf ein 510-Millionen-Euro-Sparpaket verständigt hat. Dem Beschluss zufolge müssen die Bücherhallen vom kommenden Jahr an auf Zuschüsse in Höhe von jährlich zwischen 1 und 1,5 Millionen Euro verzichten und dem Schauspielhaus als Deutschlands größter Sprechbühne werden die Zuwendungen um jährlich 1,2 Millionen Euro gekürzt. Das vor 147 Jahren gegründete Altonaer Museum wiederum soll zum Jahresende ganz geschlossen werden und den Haushalt damit um knapp 3,5 Millionen Euro entlasten.
Vor allem das Aus für das 1863 gegründete Museum empörte in den vergangenen Wochen Hamburgs Bürger. So unterschrieben nach Angaben von Museumsdirektor Torkild Hinrichsen bereits mehr als 55 000 Menschen eine Protesterklärung. Hinzu kamen Demonstrationen und Solidaritätsfeste. Auch etliche Prominente, darunter Altkanzler und Ehrenbürger Helmut Schmidt (SPD), wandten sich gegen die Schließung. Im Haupthaus des Museums und in den beiden Außenstellen, Jenisch Haus und Rieck Haus, werden insgesamt rund 640 000 Objekte präsentiert. Im vergangenen Jahr wurden rund 92 000 Besucher gezählt, 2008 waren es rund 118 000.
Einen Antrag der Linken, sich bereits jetzt auf den vollständigen Erhalt des Museums festzulegen, lehnten CDU und GAL ab. Gleichwohl scheint das Aus schon in gut acht Wochen nun nicht mehr sicher. So antwortete die CDU-Kulturexpertin Brigitta Martens auf eine Frage der SPD, wie denn der CDU/GAL-Beschluss zu verstehen sei: «Der Antrag ist so zu verstehen, dass wir für die Schließung oder Nichtschließung erst einmal ein Konzept haben wollen.» Die GAL-Kulturexpertin Eva Grümbel sagte, ihre Fraktion stehe zum Sparkurs des Senats, sehe aber auch die Probleme bei einer Schließung des Museums. Kultursenator Stuth betonte, er sei sehr an weiteren Ideen interessiert. Gleichwohl ließ er keinen Zweifel: «Nutzer müssen die Finanzierung mitbringen.»
Der Linken-Kulturexperte Norbert Hackbusch nannte eine Schließung «falsch, fatal und unverantwortlich» und sprach von einem «kulturpolitischen Desaster». Der schwarz-grüne Senat habe dafür gesorgt, dass Hamburg bundesweit den Ruf einer kulturellen Banausenstadt erworben habe. Die SPD-Kulturpolitikerin Gabi Dobusch sprach von einem «einmaligen Vorgang mit überregionaler Bedeutung». Den Bürgerschaftsbeschluss nannte sie eine parteipolitisch motivierte Taktiererei. «Auf dem Tisch liegt jetzt ein schwarz-grüner Formelkompromiss, der dem Senat alle Optionen offenhält.»
Auf Bezirksebene hatten sich CDU und GAL bereits Mitte des Monats gegen eine Schließung des Museums zum Jahresende ausgesprochen und für die Prüfung möglicher Alternativen plädiert. «Dass nun auch die Bürgerschaftsfraktionen von CDU und GAL unserer Linie folgen und eine kurzfristige Neukonzeption des Altonaer Museums fordern, ist ein Hoffnungsschimmer für die Rettung», erklärte der GAL-Kulturexperte in der Bezirksversammlung Altona, Sven Kuhfuss. Er erwarte nun, «dass der Kulturgipfel als Zwischenergebnis die Rücknahme der Schließung des Museums zum 31.12.10 zur Folge hat und der Senat nicht über die Bürgerschaft hinweg bereits Fakten schafft».
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