| Dürer als begabter «Netzwerker» Von Kathrin Zeilmann, dpa |
|
|
|
| Samstag, 30. Oktober 2010 um 08:47 Uhr | ||
Heute würde er mit Facebook, Twitter und Co. arbeiten, früher eben mit Briefen und verrätselten Druckgrafiken: Eine neue Sonderausstellung zeigt Albrecht Dürer als begabten «Netzwerker» seiner Zeit.
Nürnberg (dpa/lby) - Würde Albrecht Dürer heute leben, wäre er sicher Mitglied bei Facebook, würde via Twitter Kurzbotschaften absetzen und über Skype Kontakt zu Freunden und Bekannten halten. Der große Künstler war ein äußerst gut vernetzter Mensch, der sich bereitwillig auf die Möglichkeiten neuer Kommunikationsformen einließ. Diese Botschaft will eine neue Sonderausstellung im Nürnberger Albrecht-Dürer-Haus transportieren.
Dürer (1471-1528) wird als begabter «Netzwerker» seiner Zeit gezeigt, als einer, der durch Kommunikation und künstlerischen Ausdruck eine wichtige Figur des europäischen Humanismus wurde. «Der Netzwerkgedanke war bei Dürer ganz stark», sagte der Leiter des Dürer-Hauses, Thomas Schauerte, am Freitag bei der Präsentation der Sonderschau.
Originalbriefe, die Dürer von Venedig aus an seinen Freund Willibald Pirckheimer geschrieben hatte und die das Stadtarchiv dem Dürer-Haus zur Verfügung stellt, stehen beispielhaft für die Briefkultur, die er pflegte. Das Kulturreferat der Stadt hat im Vorfeld der Schau zudem Nürnberger Bürger dazu aufgerufen, aus den Dürer-Briefen zu lesen: Entstanden sind Video-Clips, die nun nicht nur im Zuge der Ausstellung, sondern auch auf der Plattform Youtube zu sehen sind - im ganz modernen Internet-Netzwerk also.
Im 16. Jahrhundert schrieb man sich aber nicht nur Briefe, sondern tauschte auch kleine Kupferstich-Porträts und Medaillen aus. «Sie waren leicht zu verschicken. Man hatte das Bedürfnis, den Briefpartner auch so lebendig wie möglich vor sich zu sehen», erklärte Schauerte. Dürers Interesse für Buchpublikationen und somit für die damals revolutionäre Technik des Buchdrucks illustrieren etwa Holzschnitte, die er für die Satire «Das Narrenschiff» lieferte.
Zudem wartet die Sonderschau mit originalen Druckgrafiken auf. Der Schwerpunkt hierbei liege auf den «sinnoffenen Kunstwerken» Dürers, sagte Schauerte: «Mit diesen Denk- und Rätselbildern wollte Dürer mit dem Betrachter in Kontakt treten.» Die Originale sind überwiegend Leihgaben der Konrad-Liebmann-Stiftung am Kulturgeschichtlichen Museum Osnabrück.
Dürer-Originale im Dürer-Haus - das ist ein wichtiger Teil des neuen Konzepts, mit dem das einstige Wohnhaus des Künstlers nahe der Kaiserburg nicht mehr nur Museum für die Lebensbedingungen des 16. Jahrhunderts sein soll. Vielmehr solle auch das kulturhistorische Profil des Hauses gestärkt werden, sagte Matthias Henkel, Direktor der Museen der Stadt Nürnberg. Schließlich sei das Gebäude das einzige original erhaltene Künstlerhaus der Renaissance nördlich der Alpen. «Mehr Originale und mehr Dürer» - so solle sich das Haus künftig präsentieren.
Schon im Eingangsbereich begrüßt deshalb nun eine vergrößerte Reproduktion des bekannten Dürer-Selbstbildnisses die Gäste. Ein eigens geschaffenes Grafisches Kabinett im Obergeschoss gibt künftig Raum für Sonderausstellungen, den Auftakt macht die Schau zum Netzwerk Dürers, die bis 31. Januar 2011 läuft.
So wie Dürer sich in seiner Zeit vernetzt hat, sollen nach Wunsch Henkels sich auch diejenigen Stellen der Stadt besser vernetzen, die sich mit dem Künstler befassen: die Archive, das Kulturreferat, die städtischen Museen und natürlich das Germanische Nationalmuseum (GNM). «Wir wollen die Forschungsaktivitäten besser bündeln.»
Tags: d
|
























































