| Mozarts «Titus»-Oper auf dem Laufsteg des Bode-Museums Von Andreas Rabenstein |
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| Samstag, 30. Oktober 2010 um 08:47 Uhr | ||
Erneut Mozart und wieder das Bode-Museum. Regisseur und Dirigent Christoph Hagel greift bei seiner neuesten Aufführung auf Bewährtes zurück. Und interpretiert eine wenig bekannte Mozart-Oper doch ganz neu.
Berlin (dpa/bb) - Die neue Inszenierung von Opernregisseur Christoph Hagel ist am Freitagabend vom Premierenpublikum im Berliner Bode-Museum gefeiert worden. Hagel, bekannt als Dirigent und durch Opernaufführungen an ungewöhnlichen Orten, führte «Titus» von Wolfgang Amadeus Mozart als Mischung aus Oper, Theater und Tanz auf. Die Hauptrollen wurden parallel von Sängern und Schauspielern verkörpert, Tänzer und Kinderdarsteller ergänzen die Rollen und zeigen die Vielschichtigkeit und Ursprünge der Charaktere. Das ganze Stück spielt auf einem Laufsteg im Erdgeschoss des Museums, das Orchester der Berliner Symphoniker verschwindet nicht in einem Graben, sondern spielt vom Kopfende aus auf gleicher Höhe Richtung Publikum.
Hagel inszenierte zuletzt «Flying Bach» in der Neuen Nationalgalerie und erregte zuvor Aufsehen mit einer «Zauberflöten»-Aufführung im U-Bahnhof Bundestag, mit «Don Giovanni» im ehemaligen Techno-Tempel E-Werk oder Haydns «Orpheus und Eurydike» ebenfalls im Bode-Museum.
«Titus» («La Clemenza di Tito») ist Mozarts vorletzte und kaum bekannte Oper, die im September 1791 uraufgeführt wurde. Im Dezember des gleichen Jahres starb Mozart im Alter von 35 Jahren. Liebe und Begierde, Freundschaft und Verrat, Macht und Treue sind die Pole der Handlung im Rom des Jahres 79 n. Chr. Sextus, der beste Freund des Kaisers Titus, wird von seiner egomanischen Geliebten Vitellia zum Mord am Kaiser gedrängt. Aus Liebe willigt er ein - aber die Verschwörung fliegt auf.
Ein menschliches Politik-Drama in der Hauptstadt, oder wie Vitellia es sagt: «Das ist Rom: Ein Sportplatz, eine Politikmaschine. Wer heute herrscht, treibt morgen schon im Tiber.» Wenige Meter von den Berliner Premierengästen, unter ihnen Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse und Linke-Fraktionschef Gregor Gysi, floss träge wie üblich allerdings nur die Spree vorbei.
Die Rolle von Sextus ist gleich vierfach besetzt: Schauspieler, Sänger, Tänzer und Kinderdarsteller bilden vielfache Facetten der Figur ab. Und besonders Robert Crowe als männlicher Sopran begeisterte das Publikum ebenso wie Tenor Kai-Ingo Rudolph in der Titus-Rolle. Die Zuschauer entlang des Laufstegs sind näher am Geschehen als Regisseur und Dirigent Hagel, der sich immer wieder zu seinen Darstellern umwendet. Angedeutete Sex-Szenen mit Darstellern im Leoparden-Body und Stars-and-Stripes-Shorts wechseln mit eindringlichen Arien. Zum Opern-Schluss deklamiert Titus: «Und wenn die Welt mich eines Fehlers zeiht, soll dieser Fehler Großmut sein.» Und drückt seinem Freund Sextus den Dolch in die Hand - zur Hinrichtung der Geliebten.
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