| Marbach zeigt größte Jünger-Retrospektive |
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| Freitag, 10. September 2010 um 06:36 Uhr | ||
Marbach am Neckar (dpa/lsw) - Ernst Jünger pur. Das Deutsche Literaturarchiv bereitet die bislang größte Retrospektive auf den so umstrittenen wie hochgeehrten «Jahrhundert-Autor» vor. Ernst Jüngers (1895-1998) gut 260 unveröffentlichten Tagebücher sind der Kern der Ausstellung «Ernst Jünger. Der Nachlass» vom 7. November bis 28. März 2011 im Literaturarchiv der Moderne (LiMo), wie das Deutsche Literaturarchiv der Nachrichtenagentur dpa mitteilte. Jüngers Nachlass kam bereits 1997 nach Marbach, ergänzende Exponate - darunter seine Stahlhelme, Kriegsfotos und Käfer-Sammelkisten - stammen aus dem Jünger-Haus im oberschwäbischen Wilflingen, das bis Frühjahr 2011 grundsaniert wird.
Diese Rettung des Jünger-Hauses habe es ermöglicht, jetzt «an einem Ort und auf eine bislang nicht mögliche und auch nicht wiederholbare Weise» Tagebuch- und Manuskriptnachlass mit seinen Büchern, seinen Käfersammlungen und Muscheln zu zeigen, sagte Museumsleiterin Heike Gfrereis. Zudem seien viele von Jünger mit alt und brüchig werdendem Tesafilm beklebte Manuskripte in den vergangenen Jahren restauriert worden.
«An Ernst Jünger scheiden sich die Geister», räumte Gfrereis ein. Schließlich galt er einst auch als junger Held der nationalistischen Rechten einschließlich der Nationalsozialisten in Deutschland. Für manche gar als geistiger Wegbereiter der Nazis. Einen «kriegsbrünstigen Abenteurer» nannte ihn noch 1998 der damalige «Spiegel»-Herausgeber Rudolf Augstein. Im Mittelpunkt der Marbacher Ausstellung stehe aber der Textarbeiter Jünger, der Schriftsteller mit menschlichen Zügen und Lust an der Sprache, sagte Gfrereis. «Das Bild des Autors Jünger, das sich aus dieser Essay-Ausstellung ergibt, ist das eines Mannes, der unermüdlich, ein Jahrhundert lang produziert: Arbeiter am Abgrund der Zeit», hieß es in Marbach.
«Tagebuchschreiben ist für Jünger eine Lebensform gewesen. Er schreibt auf, wo er geht und steht. Am Schreibtisch, im Bett, im Schützengraben, im Zug oder Auto», berichtete Gfrereis.
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