| Buddhas vorm TV: Nam June Paik-Retrospektive in Düsseldorf Von Christina Horsten, dpa |
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| Freitag, 10. September 2010 um 06:36 Uhr | ||
Roboter aus Fernsehern und Buddhas, die in die Röhre schauen: Der südkoreanische Künstler Nam June Paik hat skurrile Technik-Welten erschaffen. Düsseldorf ehrt den Erfinder der Medienkunst jetzt mit einer großen Retrospektive.
Düsseldorf (dpa/lnw) - Gemächlich schwimmen kleine Fische durch ein Aquarium, dahinter flackern im Stakkato bunte Bilder über einen Fernsehbildschirm. «Video Fish» (Video-Fische), ein klassischer Nam June Paik: «Er hat die Pole verbunden - laut und leise, aggressiv und meditativ - das Ying und Yang, wie er es genannt hat», sagt die Ausstellungskuratorin Susanne Rennert. Ab Samstag würdigt das museum kunst palast in Düsseldorf den Erfinder der Medienkunst, der ein enger Weggefährte von Joseph Beuys war, mit einer großen Retrospektive. Es ist die erste seit dem Tod Paiks 2006.
Fernseher sind das zentrale Element in Paiks Kunst und immer wachsen sie über ihre eigentliche Funktion hinaus. Ob als Skulpturen zu Robotern, Cellos oder Türmen aufgestapelt und bemalt, oder in langen Reihen, immer dasselbe Bild zeigend: Den Mond in Nahaufnahme. «Moon is the oldest TV» (Der Mond ist der älteste Fernseher), nannte Paik dieses 1965 entstandene Werk. Auch Buddhas starren bei ihm auf die Mattscheibe - sehen dort aber nur Kerzen, oder eine Projektion ihrer selbst. «Ein regelrechtes Buddhafeld mit acht Statuen haben wir aufgebaut», sagt Mit-Kurator Jochen Saueracker. Noch nie seien so viele «TV-Buddhas» von Paik gemeinsam in einer Ausstellung zu sehen gewesen.
Das eigentliche Fernsehprogramm interessierte Paik nicht. «So lange hat das Fernsehen die Intellektuellen gefoltert», sagte der 1932 in Seoul geborene Künstler einmal, «jetzt ist es an der Zeit, dass die Intellektuellen das Fernsehen foltern.» Seine Kunst ging dabei weit über die bloße Installation hinaus. Gemeinsam mit seinem engen Freund Beuys organisierte er Performances und Aktionskunst in der Düsseldorfer Kunstszene.
«Exposition of Music», seine erste Ausstellung 1963 in der Wuppertaler Galerie Parnass, bei deren Eröffnung Beuys spontan ein Klavier zertrümmerte, gilt als die Begründung der Medienkunst. Gerade einmal 13 Fernseher konnte Paik sich damals leisten. In New York überredete der in Musik und Komposition ausgebildete Künstler wenig später die Musikerin Charlotte Moorman dazu, für seine Videos nackt Cello zu spielen. Moorman wurde verhaftet und zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.
Paik war ein Workaholic, ein Kunst-Besessener, der auch nach einem Schlaganfall 1996 noch an Laser-Kunstwerken arbeitete. «Mit einem Finger hat er den Synthesizer bedient», erzählt Kuratorin Rennert. Viele seine Fernseher-Skulpturen wirken in Zeiten von I-Phone, I-Pad und YouTube trotz ihres speziellen Charmes ein wenig in die Jahre gekommen - und sind es auch: «Es wird wohl die letzte Ausstellung sein, in der die Werke so zu sehen sein werden», sagt Mit-Kurator Saueracker. «Es sind eben alles technische Geräte und die stoßen an ihre Grenzen.«
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