| Kiefer in Kopenhagen: Der letzte der deutschen «Fab Four» Von Thomas Borchert, dpa |
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| Samstag, 11. September 2010 um 08:20 Uhr | ||
Fast hundert Arbeiten von Anselm Kiefer werden seit Freitag im dänischen Louisiana-Museum für moderne Kunst bei Kopenhagen gezeigt. Eine überwältigende Werkschau. Zur Präsentation kam auch der berühmte Maler und Bildhauer selbst - ganz in Schwarz.
Humlebæk (dpa) - Dänischer Starkult um einen deutschen Künstler: Mit Anselm Kiefer könne man nun endlich auch den letzten der deutschen «Fab Four» der Malerei präsentieren, hieß es stolz und ein bisschen selbstironisch aus dem Louisiana-Museum für Moderne Kunst in Humlebæk. Die anderen drei, Sigmar Polke, Georg Baselitz und Gerhard Richter, haben schon in dem international hoch angesehenen Museum mit der fantastischen Lage am Öresund vor den Toren Kopenhagens ausgestellt. Kiefer präsentiert seit Freitag eine beeindruckend umfassende Werkschau mit fast hundert Arbeiten der letzten vierzig Jahre.
Der Vergleich der erfolgreichsten deutschen Nachkriegs-Maler mit den Beatles brachte dem Louisiana-Experten Anders Kold einen Lacher seiner Zuhörer und fügte sich in den aktuellen Kopenhagener Ausstellungs-Hype: Gerade erst hat die Nationalgalerie (Statens Museum for Kunst) eine Schau großformartiger Malereien der Musik- Ikone Bob Dylan («The Brazil Series») eröffnet.
Umgekehrt hielt Kiefer auch ein bisschen wie ein Popstar Einzug in Louisiana: Zur Pressepräsentation kam er zu spät, sehr schick ganz in Schwarz und mit ebenfalls in Schwarz gewandetem Anhang. Ansonsten aber verbieten sich alle Vergleiche des konventionellen, irgendwie rückwärtsgewandten und teils auch unbeholfenen Sonntagsmalers Dylan mit den bahnbrechenden Arbeiten des Beuys-Schülers und Trägers des Friedenspreises des deutschen Buchhandels (2008).
«Kiefer kriegt man nicht so leicht an den Haken», seufzte Kold, um dann umso begeisterter die teils monumentalen Bilder des in der Nähe von Paris lebenden Deutschen zu präsentieren. Die Besucher werden in chronologisch umgekehrter Folge durch Kiefers Schaffen mit Bildern, Skulpturen, Büchern und Installationen geführt. Am Anfang stehen riesige Landschaftsbilder, am Ende provokative Arbeiten des jungen Kiefer aus den Jahren 1969 und 1970, auf denen er mit zum Hitler-Gruß erhobenem Arm zu sehen ist.
Ein Teil der gezeigten Arbeiten stammt aus Kiefers Privatbesitz, ein Teil aus Galerien, aber auch aus dem Louisiana-Museum selbst. So zwei aus Blech zusammengeschweißte Flugzeuge und einige zu seinen zentralen Werken gerechnete Bilder wie «Wege der Weltweisheit: Die Hermannsschlacht» (1988/1990). Überwältigend hier wie auch anderswo immer wieder die bildnerische Auseinandersetzung mit deutscher Geschichte, vor allem der jüngeren bis zum Holocaust. «Natürlich, Kiefer zeigt sich in dieser Ausstellung als Teil der deutschen Rosskur bei der Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte», meint der Däne Kold.
Aber auch: «Die Ausstellung ist keine Deutschstunde.» Die Auseinandersetzung des Malers und Bildhauers mit universellen Themen wie Tod, Weltzeit und Lebenszeit bringe so Überwältigendes, dass «man schon sehr verstockt sein muss, um sich nicht berühren zu lassen». So beim riesig hohen Bild einer schwarzen Sonnenblume, unter der Kiefer selbst liegt und von unendlich vielen Samen - auf das Gemälde aufgeklebt - berieselt wird.
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