| Ein Garten für den Naumburger Meister Von Christina Onnasch, dpa |
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| Montag, 13. September 2010 um 06:40 Uhr | ||
Dem namentlich unbekannten Naumburger Meister verdankt der Dom seine berühmten zwölf lebensgroßen Stifterfiguren. Nun wird dem Künstler ein großer historischer Garten gewidmet. Die Arbeiten am bislang unzugänglichen Domgarten laufen auf Hochtouren.
Naumburg (dpa/sa) - Ein Garten mit alten Bäumen, Teichen und verschlungenen Wegen schließt sich direkt im Südwesten an den Naumburger Dom an. Im Moment sind dort Bagger und Bauarbeiter am Werk, um das ein Hektar große Areal nach den Plänen der Landschaftsarchitekten zu sanieren und neu zu gestalten. Anlässlich der Landesausstellung des Landes Sachsen-Anhalt mit dem Titel «Der Naumburger Meister - Bildhauer und Architekt im Europa der Kathedralen», (29. Juni bis 2. November 2011), soll hier der Domgarten eröffnet werden.
«Es geht uns vor allem darum, historische Gartenstrukturen wieder herzustellen, raumprägende Gliederungen neu sichtbar zu machen und die Teiche zu revitalisieren» erläutert die Dresdner Landschaftsarchitektin Heidrun Richter, die gemeinsam mit Birgit Pätzig für die Gestaltung zuständig ist. Die Begrenzungsmauern und die mittelalterlichen Zwingmauern sind bereits saniert. Wege, die verschiedene Bereiche des Gartens miteinander verbinden, werden derzeit angelegt.
Das Projekt wird mit 1,2 Millionen Euro vom Bund und mit 400 000 Euro vom Land finanziert. In das Netzwerk «Gartenträume», das die Wiederentdeckung des gartenkulturellen Erbes in Sachsen-Anhalt zum Ziel hat, wurde der Domgarten bereits aufgenommen.
Das Gelände, das bisher Einheimischen und Touristen verschlossen blieb, vereint Reste spätmittelalterlicher Begrenzungsmauern, Teichanlagen und Gärten ehemaliger Domherrenhäuser. «Es ist fast eine Grundphilosophie der Domstifter geworden, öffentlich unzugängliche Orte zugänglich zu machen», sagt Kerstin Wille, Sprecherin der Vereinigten Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeitz. Das sei schon geschehen mit dem Domschatzgewölbe und der Elisabethkapelle mit den von Neo Rauch gestalteten Glasfenstern.
Der Garten soll künftig zum Spazierengehen und Verweilen einladen, aber auch für Lesungen und Theateraufführungen genutzt werden. Er gliedert sich in drei Terrassenebenen. An den Wandelgarten mit mehreren Teichen, die bereits entschlammt wurden, schließt sich auf der nächsthöheren Stufe der Zwingergarten mit seinen historischen Mauern und schließlich als besonderes Schmuckstück der «Garten des Naumburger Meisters» an.
Er ist dem namentlich unbekannten Naumburger Meister gewidmet, der um die Mitte des 13. Jahrhunderts den Westchor mit den zwölf lebensgroßen Stifterfiguren schuf. Hier sollen künftig Pflanzen wachsen, die seinerzeit vom Naumburger Meister und seiner Werkstatt im Dom auf Kapitellen, Friesen und Schlusssteinen auf besondere Art naturgetreu dargestellt wurden.
«Wir wollen zeigen, dass sich der Naumburger Meister für seine Gestaltung die heimische und nicht die biblische Pflanzenwelt zum Vorbild nahm», sagt Heidrun Richter. Acht ausgewählte Kapitelle werden auf einer Fotostele zu sehen sein, daneben sollen die Gewächse wie Feige, Brombeere, Haselnuss und verschiedene Weinsorten in natura stehen.
In einem früheren Pferdestall auf dem Gelände des Domgartens soll eine Kinder-Dombauhütte eingerichtet werden. «Schüler können hier in die Rolle des Naumburger Meisters schlüpfen und die Welt der Handwerker und Baumeister des 13. Jahrhunderts kennenlernen», sagt Kerstin Wille. Hier haben sie die Möglichkeit, mit originalgetreuen Werkzeugen zu arbeiten und mittelalterliche Arbeitstechniken auszuprobieren. Aus Miniatursteinen können Gewölbe und gotische Maßwerkfenster nachgebaut werden.
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