| Zehntausende beim Denkmaltag - «Kultur in Bewegung» |
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| Montag, 13. September 2010 um 06:40 Uhr | ||
Friedrichshafen/Stuttgart (dpa/lsw) - Zehntausende Menschen sind am Sonntag beim Tag des offenen Denkmals in Baden-Württemberg auf Entdeckungstour gegangen, um sich historische Bauten und Verkehrsmittel anzuschauen. «Bei dem guten Wetter bin ich zuversichtlich, dass wir wieder die geschätzte halbe Million Besucher wie im Vorjahr erreichen», sagte Irene Plein vom Landesamt für Denkmalpflege in Esslingen. Rund 700 Kulturdenkmäler in 260 Städten und Gemeinden, die sonst der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind, hatten zum Blick hinter die Kulissen eingeladen. Der europaweit begangene Denkmaltag stand unter dem Motto «Kultur in Bewegung - Reisen, Handel und Verkehr».
So waren neben Schlössern und Burgen historische Transportmittel von alten Zügen oder Traktoren bis zum Dampfschiff sowie ehemalige Poststationen oder Lagerhäuser zu besichtigen. Dazu gehörten auch eine unter Denkmalschutz stehende Tankstelle in Friedrichshafen am Bodensee aus dem Jahr 1950, die noch voll in Betrieb ist, oder die restaurierte erste Bodensee-Autofähre «Meersburg ex Konstanz» von 1928. Mit Führungen, Ausstellungen und Vorträgen informierten Eigentümer und Experten über die Geschichte der Kulturgüter sowie Erfolge und Schwierigkeiten der Denkmalpflege.
Gegner des umstrittenen Bahnprojekts Stuttgart 21 kritisierten, dass sich der Hauptbahnhof am Denkmaltag «mit seiner brutal aufgerissenen Nordfassade» präsentiere. Sie hatten für 12.00 Uhr zu einer Gedenkveranstaltung für den denkmalgeschützten Bau eingeladen. Dagegen versicherte Verkehrsministerin Tanja Gönner (CDU), dass der Bahnhof als weithin sichtbares Wahrzeichen der Landeshauptstadt erhalten bleibe. «Der Gebäudehauptteil und der auch aus großer Entfernung sichtbare Bahnhofsturm in der Achse der Königstraße wird stehenbleiben», sagte Gönner anlässlich des Landesdenkmaltags. Nur die schon in den vergangenen Jahrzehnten funktionslos gewordenen Seitenflügel auf der Nord- und Südseite des Bauwerks müssten für den Umbau des Kopfbahnhofs in eine unterirdische Durchgangsstation weichen.
Das offizielle Startzeichen für den Denkmaltag war am Samstag im Zeppelin-Museum in Friedrichshafen am Bodensee gegeben worden. Dabei hatte der Leiter des Landesamtes für Denkmalpflege, Claus Wolf, die Bürger aufgerufen, sich für den Erhalt des historischen Erbes zu engagieren. «Ohne eine breite Resonanz in der Bevölkerung kann die Denkmalpflege ihre Aufgabe nicht in dem Maße erfüllen, wie es die hochkarätige Denkmallandschaft gerade im Südwesten erfordert.»
Wirtschaftsstaatssekretär Richard Drautz hatte darauf verwiesen, dass Denkmalförderung fast ausschließlich dem lokalen Gewerbe, dem Handwerk und Freiberuflern zu Gute komme. In Baden-Württemberg gibt es 90 000 Bau- und Kunstdenkmäler und über 60 000 archäologische Denkmäler.
Der Tag des offenen Denkmals fand erstmals 1984 in Frankreich statt. 1991 griff der Europarat die Idee auf und führte die «European Heritage Days» europaweit ein. Inzwischen beteiligen sich 49 Länder. Der Denkmaltag wird jedes Jahr am zweiten Sonntag im September begangen. Bundesweit nahmen 2009 rund 4,5 Millionen Besucher in mehr als 2600 Gemeinden teil.
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