| Paulas Gemälde kehren zurück in die Heimat |
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| Montag, 13. September 2010 um 06:40 Uhr | ||
Auf mehrere hundert Gemälde brachte es die Elsflether Künstlerin Paula Schiff-Magnussen. Nach ihrem Tod landeten diese jedoch auf einem Speicher und gerieten jahrzehntelang in Vergessenheit. Jetzt zeigt eine Ausstellung in Rastede eine Auswahl.
Berne/Rastede (dpa/lni) - Die Frau vor Carsten Mohr war einmal schön: volle Lippen, tiefblaue Augen, volles Haar. Doch nun ist ihre Haut vergilbt, die Augen haben ihren Glanz verloren. Mohr tränkt ein Wattestäbchen mit Reinigungslösung und wischt vorsichtig damit über das Gesicht der Dame. Langsam löst sich die gelbe Schmiere von dem Ölgemälde, leuchtende Farben kommen zum Vorschein.
53 Bilder der Malerin Paula Sedana Schiff-Magnussen warten in Mohrs Werkstatt in Berne bei Bremen auf eine Verjüngungskur. Bis vor wenigen Monaten lagen die Gemälde noch auf dem Speicher des Kunstmuseums Mülheim im Ruhrgebiet. Jahrzehntelang lagerten sie fast vergessenen im Dunkeln, bis ihre Oberfläche blind, die Farben stumpf geworden waren.
Jetzt soll eine Auswahl aus 600 Ölgemälden, Zeichnungen und Aquarellen für eine Schau im Palais in Rastede nahe Oldenburg in neuem Glanz erstrahlen. Ausstellungsleiterin Claudia Thoben holte die Porträts, Akt- und Landschaftsstudien im Auftrag von Schiff-Magnussens Enkel zurück in die Heimat der Malerin, die aus dem Nachbarort Elsfleth stammt. Für die Expertin ist die Sammlung eine bedeutende Entdeckung. «Ihr komplettes Lebenswerk ist erhalten geblieben.»
Schiff-Magnussen wurde 1871 in der Hafenstadt an der Unterweser geboren. Ihre Familie war eng mit der Schifffahrt verbunden, der Vater führte eine Reederei und ein Bankhaus. «Als ältestes von sieben Kindern musste sie lange um ihre Kunstausbildung kämpfen», erzählt Thoben. Doch irgendwann gibt der Vater nach: Die junge Paula darf zum Unterricht ins nahe gelegene Worpswede gehen.
In dem Künstlerdorf lernt sie auch Paula Modersohn-Becker kennen. Wie ihre berühmte Namensschwester geht Schiff-Magnussen später nach Paris und Berlin, hält sich viel in Künstlerkreisen auf. 1909 heiratet sie einen Arzt, bekommt einen Sohn und eine Tochter, verbringt aber weiterhin jeden Tag in ihrem Atelier - und zwar bis ins hohe Alter. Noch mit 90 Jahren malt sie ein Selbstporträt, es ist das letzte vor ihrem Tod. 1962 stirbt sie in Mülheim, wohin sie nach dem Zweiten Weltkrieg gezogen war.
Das späte Selbstporträt zeigt Schiff-Magnussen mit hageren Wangen, die grauen Haare locker zum Zopf gefasst und tiefliegenden Augen, die den Betrachter in den Bann ziehen. Ausdrucksstarke Gesichter inspirierten sie während ihrer gesamten Schaffenszeit. «Ihr Vater konnte nicht verstehen, wieso sie immer diese hageren, tristen Gestalten malt», sagt Restaurator Mohr. Im Laufe der Jahre experimentierte sie mit verschiedenen Stilen, blieb in ihren Darstellungen aber immer nah am Original.
Wie die Künstlerin, deren Vater aus einer jüdischen Familie stammte, die NS-Zeit in ihrem damaligen Wohnsitz Berlin überlebte, ist nicht überliefert. Auch das fast alle ihrer Bilder die Bomben und die vielen Umzüge nahezu unbeschadet überstanden, grenzt an ein Wunder. «Natürlich stellt sich die Frage nach dem Warum», sagt Thoben.
Vielleicht liegt es daran, dass Schiff-Magnussen kaum ausgestellt hatte - wie Modersohn-Becker übrigens auch. Doch während die Worpsweder Künstlerin nach ihrem Tod erst richtig bekanntwurde, landeten Schiff-Magnussens Bilder auf dem Museumsspeicher und gerieten in Vergessenheit. Bis jetzt.
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