| «Rebellischer Einzelgänger» - Stöhrer-Ausstellung in Duisburg |
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| Donnerstag, 16. September 2010 um 09:43 Uhr | ||
Duisburg (dpa) - Die kraftvollen und farbwuchtigen Bilder des Malers Walter Stöhrer wirken wie ein Sturm ungebändigter Emotionen. Unter dem Titel «Kraftfelder» zeigt das Museums Küppersmühle in Duisburg seit Mittwoch rund 70 Gemälde und Papierarbeiten des «rebellischen Einzelgängers» (bis zum 5. Dezember). Die immer wieder übermalten großformatigen Werke Stöhrers (1937-2000) beeindrucken offensichtlich auch Bundespräsident Christian Wulff. In seinem Dienstzimmer im Schloss Bellevue hängt das Stöhrer-Bild «Nadja» (1966), eine Leihgabe der Berliner Neuen Nationalgalerie.
Die Schau in Duisburg präsentiert Arbeiten aus allen Schaffensperioden Stöhrers von den 1960er Jahren bis zu seinem letzten Werk 1999. So ist in einem zentralen Raum die vierteilige Arbeit «Schlachtet den Vater» ausgestellt, für die Stöhrer 1969 auf Einladung seines Lehrers HAP Grieshaber dessen Wandzeitungen mit Losungen, Phallussymbolen, grotesken Figuren und kräftigen Pinselstrichen in Rot, Gelb, Blau, Schwarz übermalte. Es war die Zeit, in der Joseph Beuys und andere zum Bruch mit den Traditionen aufriefen. «Selbstbestimmung» ist als Wort auf einer der Arbeiten Stöhrers zu lesen.
Selbstbestimmt bleibt das gesamte Schaffen Stöhrers, der sich als figurativer Maler bezeichnete und damit von der abstrakten, informellen Kunst der Zeit distanzierte. «Brüste, Beine, Oberschenkel» sowie «Figuren- und Sprachalphabete» wolle er zusammensetzen, sagte Stöhrer, der in Berlin und Scholderup in Schleswig-Holstein lebte. In dem 14-teiligen Radierungen-Zyklus «Horror trip» kommt sein eigensiniger, von ihm als «intrapsychischer Realismus» bezeichneter Stil besonders zum Ausdruck.
Einen starken Bezug hatte Stöhrer zur Literatur, vor allem zu den französischen Surrealisten wie André Breton. Seine Arbeiten begann er oft damit, Texte auf die Leinwand zu schreiben und dann mit breitem Pinsel, Autolack, Pasten, aber auch mit seinen Händen zu übermalen. Nicht eine «barbarische Tat», wie es ein Freund genannt hatte, seien die Werke Stöhrers, sagte seine Witwe Hanne Forstbauer. «Die Bewegung der Hand auf der Leinwand war sehr zärtlich.»
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