| Glück der Abgeschiedenheit - Malen an der Oder Von Antje Scherer, dpa |
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| Freitag, 17. September 2010 um 06:46 Uhr | ||
Zwei Wochen ohne Alltagspflichten, stattdessen ein Bild nach dem anderen: Die 15 Teilnehmer des deutsch-polnischen Pleinairs «Kunst an der Grenze» genießen in Lebus unverplante Arbeitszeit in der Oderlandschaft.
Lebus (dpa/bb) - Der Maler Dariusz Milinski hat eigentlich auch zu Hause genug zu tun: Er führt im polnischen Plawna nicht nur ein «Märchenschloss» mit Galerie, Pension und kunstpädagogischen Angeboten für Kinder, sondern macht auch Ausstellungen im In- und Ausland. Dennoch hat sich der Maler, der im Stil flämischer Künstler arbeitet, Zeit für das Pleinair «Kunst an der Grenze» in Lebus (Märkisch-Oderland) genommen. Diese Freilichtmalerei mit deutschen und polnischen Künstlern findet zum 14. Mal statt und dauert bis zu diesem Samstag. Lebus sei für ihn «Abwechslung», aber auch Arbeitszeit - und er produziert ein Bild nach dem anderen.
Kollege Bertold Bartsch aus Buschdorf im Oderbruch ist zum ersten Mal dabei und hat sich vor allem vorgenommen, «Luft in den Kopf zu lassen». Die Oderlandschaft empfinde er als «unglaublich eindrucksvoll»; zwar lebe er nur wenige Kilometer entfernt, habe aber im Alltag selten die Ruhe, sich bewusst auf die Schönheit der Natur einzulassen. Die Malerin und Bühnenbildnerin Olga Lunow aus Berlin sagt, sie fühle sich hier «wie eine Maus, die man plötzlich aus dem Käfig gelassen hat». Während im normalen Leben alles zielgerichtet sein müsse, gebe es hier keinen Druck. «Man kann mal wieder herumspielen und etwas ausprobieren».
Sie widmet sich sonst dem Thema Puppen und menschliche Körper und hat Material für Stillleben mitgebracht. In Lebus findet sie aber auch Zeit für Besuche an der Oder und kann sich vorstellen, dass diese Eindrücke aus der Natur in ihre Bilder einfließen. Sie sei froh, sagt sie, dass es dort kein Internet gebe - und lässt ihr Mobiltelefon auf dem Zimmer.
15 Künstler aus Deutschland und Polen arbeiten in dem Seminargebäude auf dem Oderberg - mit weitem Blick über Oder und Auen. Ein Ziel der Veranstaltung, die vom Umweltministerium und der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit gefördert wird, ist es, Kontakte zwischen deutschen und polnischen Künstlern herzustellen. Dass das ziemlich gut funktioniert, zeigt sich am lockeren Umgangston zwischen den Malern. Wiebke Blank aus Oldenburg, die schon mehrere Male teilgenommen hat, hat über die Jahre sogar Polnisch gelernt. Der Austausch mit den Kollegen sei «sehr wertvoll», sagt sie. «Sonst werkelt man ja doch oft ziemlich allein.»
Zwar arbeiten die Teilnehmer meist in unterschiedlichen Räumen, aber an den Arbeitsplätzen unter freiem Himmel oder am Fluss trifft man sich. «Und gefeiert wird abends ohnehin zusammen. Das gehört schließlich auch dazu», sagt Mitveranstalter Jens Lawrenz.
Laut dem Brandenburgischen Verband Bildender Künstler gibt es etliche Pleinairs mit internationaler Beteiligung im Land. Eine lange Tradition haben beispielsweise die Workshops im Nationalpark Unteres Odertal und in Angermünde (Uckermark). Einige vergeben zusätzlich zu Kost, Logis und Material auch ein Stipendium. In Lebus ist das allerdings nicht der Fall. Dort müssen die Künstler am Ende sogar zwei Werke hinterlassen. Die Ausbeute der vergangenen Jahre hängt im Schulungsraum der Landeslehrstätte. Am Wochenende werden die entstandenen Werke in Lebus (17.9.) und im polnischen Kostrzyn (18.9.) gezeigt.
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