| Salami-Sonne und Butter-Putto bei «Eat Art» Von Wenke Böhm, dpa |
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| Freitag, 17. September 2010 um 06:46 Uhr | ||
Na, Mahlzeit! Mit der Ausstellung «Eat Art» zeigt das Stuttgarter Kunstmuseum Skurriles und Originelles rund ums Thema Lebensmittel. Eines wird dabei schnell klar: Essenskunst ist Geschmackssache.
Stuttgart (dpa/lsw) - Der Sonnenaufgang der Salami hat einen Speckrand, im Schokoladenraum läuft der Geruchssinn über und die «Kinderkotze» aus Ketchup und Buchstabennudeln an der Wand befremdet. Bei der Ausstellung «Eat Art», die ab Samstag im Kunstmuseum Stuttgart gezeigt wird, haben Augen und Nase Dauerbereitschaft. Alte Essensreste im Rahmen, Strukturen von Mäusezähnen im Zucker und rund 750 Reibekuchen an der Wand werfen die Frage auf, wo Kunst aufhört und Ekel anfängt. Provokation gehört zur «Eat Art» - der Kunst aus Essbarem. Ihre Anfänge und ihre Gegenwart stellt das Stuttgarter Museum bis zum 9. Januar mit rund 100 Exponaten vor.
Väter der Künstlerströmung sind die beiden Schweizer Dieter Roth (1930-1998) und Daniel Spoerri, die beide etwa zeitgleich in den 60er- und 70er-Jahren Essensreste zur Kunst machten. Um Spoerris «Eat Art Galerie» versammelten sich in Düsseldorf zahlreiche berühmte Künstler wie Joseph Beuys (1921-1986) und Roy Lichtenstein (1923-1997). Ihre Kunstwerke aus Essbarem sollten vor allem «die Kunst als etwas Vergängliches zeigen», sagte Kuratorin Ulrike Groos am Donnerstag.
Die Ausstellung zeigt viele Werke der Frühzeit. Bekannt sind etwa Spoerris «Fallenbilder», in denen er die Überbleibsel von geselligen Treffen auf einem Träger fixierte - vom vollen Aschenbecher bis zum eingetrockneten Kaffeerest in der Tasse. Mit Installationen, Filmen und Objekten schlägt die Präsentation auf 1200 Quadratmetern den Bogen vom Beginn der «Eat Art» zu den oftmals konsumkritischen, zeitgenössischen Werken. Vorträge, Arbeitskreise und Performances flankieren die Ausstellung.
Viele Künstler rücken die Lebensmittel selbst ins Zentrum ihrer Arbeiten. Bei Roth etwa wird eine Salami-Scheibe zur Sonne und Heidelbeeren verschimmeln zur «Kompothografie». Andere setzen die Nahrungsmittel als formbares Material ein, dem sie ihren ganz eigenen Stempel aufdrücken. Roy Lichtenstein nutzt Lebkuchen als Träger für eine seiner unverkennbaren Formen. Und die zeitgenössische Künstlerin Sonja Alhäuser formt aus Butter und Margarine einen Knaben mit erigiertem Penis - «Das kleine Willkommen». Eine Kühlvitrine hält den gebutterten Putto in Form.
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