| Max Pechstein - mehr als ein «Expressionist aus Leidenschaft» Von Joanna Cornelsen und Matthias Hoenig, dpa |
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| Samstag, 18. September 2010 um 15:42 Uhr | ||
Kiel präsentiert die bisher größte Retrospektive über Max Pechstein. Die «Schau der Superlative» lässt den legendären Brücke-Künstler und Expressionisten in neuem Licht erscheinen. 20 Museen und 30 Sammler haben dazu beigetragen, manche Werke sind erstmals zu sehen.
Kiel (dpa/lno) - Ausdrucks- und farbenstark sind die Gemälde, die den umfassenden Querschnitt durch das Schaffen Max Pechsteins (1881- 1955) in der Kieler Kunsthalle eröffnen. Expressionistische Klassiker wie das «Mädchen mit rotem Fächer» oder verzweifelt im Sturm Rudernde im «Fischerboot» ziehen den Betrachter in ihren Bann - aber auch an Gauguin erinnernde Südsee-Motive, Sonnenblumen oder Kornfelder im Stile van Goghs. Dazu faszinieren immer wieder Landschaften und Fischer, die Pechstein oft bei der Arbeit begleitete.
Die Schau ist weitgehend chronologisch aufgebaut und bietet manche Überraschungen. So zum Beispiel die «Geierwally», ein kitschig- pubertäres Frühwerk des Zwölfjährigen. Es soll Pechsteins erstes Gemälde sein. Später lebte Pechstein kurze Zeit auf den damals deutschen Südssee-Inseln Palau - ein Paradies, das er wegen des Ersten Weltkrieges verlor, aber in seinen Bilder immer wieder betörend schön neu schuf. Erstmals öffentlich zu sehen ist Pechsteins letztes Gemälde «Am Strand», eine 1954 - ein Jahr vor seinem Tod - entstandene expressionistische Studie. Sie zeigt Nackte in Sandfarben, die vereinsamt und verloren wirken. Pechstein malte das Werk in Strande bei Kiel.
Ob nostalgische Landschaften, motivreiche Stillleben oder farbenkräftige Porträts - Sehnsüchte ziehen sich wie ein roter Faden durch das Schaffen des Künstlers, der vielfältige Eindrücke unter anderem auch in einsamen Fischerorten an der Ostsee und in Berlin sammelte. Die stilistische Bandbreite reicht von fast konventionellen Stillleben über nahezu alle Spielarten des Expressionismus bis zum aufkommenden Realismus oder der Neuen Sachlichkeit.
Die Vielfalt spiegelt sich nicht zuletzt auch in den Sammlungsstücken wider. Neben mehr als 100 Gemälden, über 40 Handzeichnungen und zahlreichen Druckgrafiken werden auch Auftragsarbeiten wie Glasfenster, Mosaiken und Wanddekorationen des gelernten Dekorationsmeister präsentiert. Illustrierte Briefe, Postkarten und viele weitere persönliche Gegenstände runden das breite Spektrum der Ausstellungsstücke ab.
Die in Kiel gezeigten Arbeiten und Gegenstände haben teilweise die Enkel des Künstlers, Julia und Alexander, für die Max-Pechstein- Urheberrechtsgemeinschaft zur Verfügung gestellt. Außerdem trugen rund 20 Museen und 30 Privatsammler aus aller Welt zur Ausstellung bei. Aus dem Pechstein-Oeuvre habe man «Rosinen rausgepickt», sagte Kunsthallendirektor Peter Thurmann am Freitag in Kiel. Im Frühjahr 2011 soll nach jahrelanger Arbeit das Werkverzeichnis der Ölgemälde erscheinen.
Für die Kieler Kunsthalle sei die Ausstellung das wichtigste Ereignis des Jahres, sagte Pressesprecherin Claudia Petersen. Seit der Übernahme der ersten Brücke-Ausstellung im Jahr 1908 hat die Kunsthalle regelmäßig Werke von Pechstein gezeigt. Zuletzt habe 1997 eine Schau speziell zu Pechsteins Malerei ein großes Publikum angezogen. In der aktuellen «Schau der Superlative» (Kunsthallendirektor Peter Thurmann) werde das gesamte künstlerische Spektrum geboten.
Kiel ist die erste Station der bislang größten Pechstein- Retrospektive. Unter dem Titel «Ein Expressionist aus Leidenschaft» bleibt sie bis 9. Januar in Kiel. Danach macht die Ausstellung Station in der Ostdeutschen Galerie in Regensburg (Bayern, 6.3- 26.6.2011) und im Kunstmuseum Ahlen (Nordrhein-Westfalen, 10.7.- 30.10.2011). Beide Museen sind Kooperationspartner der Kieler Kunsthalle.
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