| Auch mal was Heiteres: Fotos von verrückten Künstlern |
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| Freitag, 24. September 2010 um 06:25 Uhr | ||
Köln (dpa) - Jeder kennt das typische alte Familienfoto, für das man zur Kaiserzeit im Sonntagsstaat im Atelier posierte. Künstler jener Epoche entwarfen ein Gegenbild dazu, indem sie sich auf Fotografien als exzentrische Außenseiter stilisierten. Über 300 solcher Bilder aus den ersten 100 Jahren der Fotografie zeigt jetzt das Museum Ludwig in Köln.
Das 19. Jahrhundert war von der romantischen Vorstellung geprägt, dass der Künstler ein Leben in Armut führte. Seit der Französischen Revolution fielen die Fürsten als Auftraggeber weitgehend weg. Der Künstler war nun frei - aber dafür auch nicht mehr abgesichert. Die Botschaft an ihn lautete im Grunde: «Geh auf den freien Markt und verkauf dein Zeug künftig selber.»
Daraus entwickelte sich die Vorstellung vom Bohème-Künstler, der spät aufsteht, oft ins Café geht, nie seine Miete bezahlt und viele Liebschaften pflegt. Dieser Mythos ist sehr lebendig in den Fotografien, die von Samstag (25. September) bis zum 9. Januar in Köln ausgestellt sind.
Die ältesten stammen noch aus den Anfangsjahren der Fotografie. 1840 zum Beispiel stellte sich der französische Foto-Pionier Hippolyte Bayard als Ertrunkener dar, um endlich einmal Aufmerksamkeit zu erzielen. Bis dahin bestand an seiner Arbeit so wenig Interesse, dass er einem geregelten Leben als Finanzbeamter nachgehen musste - damals eine Demütigung für jeden Menschen mit künstlerischem Anspruch. Heute gilt Bayard wegen dieses Selbstmords als erster Fotofälscher der Geschichte.
Andere Künstler hüllten sich in verrückte Kostüme oder posierten mit Nacktmodellen vor exotischer Kulisse. Der Maler George Grosz verkleidete sich als Al Capone, der Porträtist Franz von Lenbach legte sich mit Freunden in den ägyptischen Wüstensand. In den Goldenen 1920er Jahren veranstalteten Künstlervereinigungen riesige Kostümfeste, die ebenfalls im Lichtbild festgehalten wurden, in Köln zum Beispiel von August Sander.
Insgesamt bekommt man den Eindruck, dass die Künstler damals viel Spaß hatten und sich ähnlich wie heutige Comedians für keinen Scherz zu schade waren. Sympathisch bescheiden ist denn auch der Anspruch des Kurators Bode von Dewitz: «Mein Ziel ist, dass alle heiter aus der Ausstellung herauskommen.»
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