| Naomi und Cindy: Die Supermodels von Peter Lindbergh Von Esteban Engel, dpa |
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| Montag, 27. September 2010 um 06:31 Uhr | ||
Er hat sie alle vor der Linse gehabt: Ob Naomi Campbell, Veruschka oder Nadja Auerman. Eine große Ausstellung in Berlin würdigt den Starfotografen Peter Lindbergh.
Berlin (dpa/bb) - Wie zufällig stehen sie da, die Models auf New Yorks Straßen. Sie blicken auf einen Fluchtpunkt jenseits des Bildes und wie all die Passanten fügen sich die schönen Frauen in das schwarz-weiße Stadtbild ein, als gehörten sie selbstverständlich dazu. Was wie ein Schnappschuss erscheint, hat Peter Lindbergh, Duisburger und weltweit bekannter Modefotograf, sorgsam inszeniert.
Die Kleider sind Nebensache. Lindbergh ist ein Meister der konstruierten Beiläufigkeit. Rund 120 Bilder Lindberghs zeigt die Berliner C/0 Galerie ab diesem Samstag bis 9. Januar in der Ausstellung «On Street». Sie reichen von den Klassikern bis zur Berlin-Serie aus der «Vogue» von 2009, von Jeanne Moreau bis Veruschka.
Wie wenige Fotografen hat Lindbergh die Wahrnehmung der Mode in den vergangenen Jahrzehnten geprägt. Ob Naomi Campbell, Linda Evangelista, Cindy Crawford oder Kate Moss - erst seine Porträts verliehen den Supermodels ein öffentliches Gesicht und eine Persönlichkeit. Seitdem aber in Casting-Shows die jüngeren Nachfolgerinnen nur noch als Model-Darstellerinnen gekürt werden, weicht Lindbergh auf Schauspieler aus: Kate Winslet, Julianne Moore, Milla Jovovich lassen sich gerne von ihm ablichten.
Anders als Helmut Newton mit seinen harten Nacktbildern, betreibt der 65-jährige Lindbergh ein raffinierteres und zugleich mutiges Spiel: Er wagt es, Nadja Auermann nur vom Hals abwärts im halboffenen Mantel zu zeigen und die späte Jeanne Moreau ohne Schminke vor das Objektiv zu locken. «Was soll man da noch retuschieren», habe die französische Diva entwaffnend gesagt, als Lindbergh ihr das Foto vor der Veröffentlichung vorlegte.
Er suche solche intimen Momente, Inseln der Ruhe, aus denen dann das wahre Bild eines Menschen entstehe. Schönheit lasse sich ohnehin nicht konstruieren. «Ein Mund ist dann schön, wenn er interessante uns sensible Dinge sagen kann.» Von plakativen Busen und Beinen im Großformat hält Lindberg nicht viel.
«Je älter man wird, desto freier wird man», sagte Lindbergh vor der Ausstellungseröffnung. Er habe sich lange gesträubt, sich als Modefotograf auszugeben. Doch seitdem seine Bilder in Ausstellungen gezeigt werden, habe er sich mit der Berufsbezeichnung versöhnt. Lindbergh, der zunächst Malerei und Design studierte, gelang mit seinen Modeaufnahmen für den «Stern» 1978 der Durchbruch.
Seitdem hat er für alle wichtigen Magazine gearbeitet - von «Vogue» bis zum «Rolling Stone». Auf kritische Distanz geht Lindberg allerdings zum Modegeschäft. Er mag die dürren Models nicht, die so «fabriziert» werden, damit ihnen die Kleider schöner über das «Gerippe» fallen.
Die Lindbergh-Schau ist erstmals zu sehen, sie dürfte wohl eine der letzten Präsentationen der C/O Galerie an ihrem Stammplatz an der Oranienburger Straße sein. Ein Investor hat das alte Postfuhramt gekauft. Die Galerie, die sich zur ersten Adresse Berlins für Fotokunst entwickelt hat, sucht nach einem neuen Standort.
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