| 50 Jahre Stuhldesign in Hamburger Museum |
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| Mittwoch, 29. September 2010 um 06:26 Uhr | ||
Hamburg (dpa/lno) - 100 Stühle aus fünf Jahrzehnten: In der Ausstellung «Ideen sitzen» widmet sich das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe dem Sitzdesign von 1960 bis in die Gegenwart. «Hier stehen Klassiker neben zeitgenössischen Positionen», erklärt Kurator Rüdiger Joppien am Dienstag. Die Grenzen zwischen Kunst und Design seien dabei fließend. Unter den Exponaten finden sich Verner Pantons berühmter Freischwinger (1960), Frank Gehrys - aus Wellpappe gefertigter - «Wiggle Side Chair» (1972), Philippe Starcks «postfreudianischer Bauhaus-Stuhl» aus Plastik (2002), aber auch ein blauer Doppelsitzer aus der Hamburger Hochbahn von 1962.
«Der Stuhl gehört zum Lieblingsobjekt der Designer und hat zugleich einen engen Bezug zum Alltag», erklärt Museumschefin Sabine Schulze. Aus dem umfangreichen Fundus des MKG wurden 100 herausragende Stühle, Sessel, Chaiselongues und Hocker ausgewählt. In fünf verschiedenen Räumen spiegeln auf besondere Art und Weise den Zeitgeist ihres Jahrzehnts wider.
Mit grellen Farben, runden Formen und viel Plastik geht es in den 1960er Jahren los. So erwartet den Besucher gleich zu Beginn eine lilafarbene Version des Freischwinger-Klassikers von Verner Panton oder ein grellorangener Pastillen-förmiger Sessel von Eero Aarnio. «Es ist noch nie soviel Fantasie in die Ausgestaltung von Sitzmöbeln gegangen, wie in den 1960ern»,sagt Joppien. Ein Novum sei damals gewesen, ganze Stühle im Spritzgussverfahren herzustellen.
Zum Herzstück der Ausstellung zählt der Kurator ein blutrotes, schräges Modell aus dem Jahr 1970: Stefan Wewerka habe mit seinem «Classroom Chair» eine Ikone der Instabilität geschafft. US-Architekt Gehry entwickelte unterdessen neue Sitzmöbel aus Wellpappe, deren Schichten so konstruiert sind, dass sie auch größtem Druck widerstehen.
In den 1980er Jahren behaupteten sich Joppien zufolge nach Norditalien auch Paris mit Philippes Starck oder Barcelona als neue Design-Metropolen. Starck bringt in wenigen Jahren zahlreiche Modelle zu populären Preisen auf den Markt - ob aus Metall, Holz oder Kunststoff. Zu den ausgefalleneren Exponaten der Schau zählen aber Frank Schreiners umgebauter Einkaufswagen «Consumers Rest» (1983) oder Toshiyuki Kitas rosa-roter «Wink», auch bekannt als «Mickey- Maus-Sessel» (1980).
Ein Jahrzehnt später bestimmen helle, warme Farben und klare Formen das Stuhldesign. «Die 1990er Jahre kehren zu einem Designbewusstsein zurück, dass auf Schlichtheit und Einfachheit setzt», erklärt der Kurator. Im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends wird dagegen viel mit Laser und Computersoftware gearbeitet. Und Designer wie Konstantin Grcic schaffen intelligente Stühle für breite Bevölkerungsschichten. Ein Hingucker ist etwa sein roter «Chair One». Dort schaffen eine Anzahl flacher Flächen im Winkel zusammengesetzt eine dreidimensionale Form, die an einen Fußball erinnert.
Insgesamt stellt «Ideen sitzen» auf gelungene Weise die Vielfältigkeit des Stuhls zwischen Gebrauchsgegenstand und Kunstobjekt dar. Zudem gibt die Schau Einblick in den künstlerischen, technischen und gesellschaftlichen Wandel aus fünf Jahrzehnten.
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