| Mehr als Kunst - Deutsche Ausstellung in Peking eröffnet Von Jörg Schurig und Christoph Sator, dpa |
|
|
|
| Montag, 04. April 2011 um 06:51 Uhr | ||
Die «Kunst der Aufklärung» ist im Reich der Mitte angelangt. Selten hat eine deutsche Ausstellung im Ausland schon vorher so viel Interesse ausgelöst. Die Erwartungen sind groß, in Deutschland vielleicht noch mehr als in China.
Peking (dpa) - Deutschland präsentiert sich seit Freitag mit «Kunst der Aufklärung» in China. Die Ausstellung im renovierten Nationalmuseum von Peking - dem größten Museum der Welt - ist zugleich die bislang umfangreichste deutsche Kunstausstellung im Ausland. Fast 600 Werke und Objekte aus staatlichen Sammlungen in Berlin, Dresden und München werden ein Jahr lang in der chinesischen Hauptstadt gezeigt. Das Thema selbst ist für China ein Politikum. Eröffnet wurde die Schau von Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) und der chinesischen Staatsrätin für Kultur, Liu Yandong. Beide schnitten - fast harmonisch - kurz nacheinander ein rotes Band durch.
Dass die Chinesen ihr umgebautes Nationalmuseum auch mit einer Schau aus dem Ausland wieder in Besitz nehmen, halten viele für eine Geste der Offenheit. Dass sie dafür das Thema «Aufklärung» wählten oder zumindest nicht ablehnten, scheint souverän. Letztlich wirkt der Titel der Ausstellung doppeldeutig. Zum einen geht es um Kunst einer wichtigen Epoche Europas, als sich der Kontinent von Absolutismus und Dogmen verabschiedete. Zum anderen geht es um die Kunst, Werte zu vermitteln, um die Kunst der Diplomatie. Nach den Ereignissen in der arabischen Welt hatte China zuletzt jeden Ansatz von Protesten im eigenen Land rabiat zu unterdrücken versucht.
Westerwelle musste deshalb den richtigen Ton treffen und versuchte es mit Fabulierkunst. «Die Freiheit der Kunst ist die schönste Tochter der Aufklärung. Und zur Freiheit der Kunst gehört auch die Kunst über die Schönheit der Freiheit.» Die Deutschen hätten ihre Lektion aus der Geschichte gelernt. Kunstfreiheit sei auch immer ein Gradmesser für die Menschlichkeit einer Gesellschaft. «Kunst allein im Dienste der Macht ist Propaganda», sagte Westerwelle. Erst Kunst und Kultur würden die Vielfalt der Sichtweisen einer Gesellschaft wiedergeben. Zugleich sah er in der Exposition einen Meilenstein der deutsch-chinesischen Beziehungen.
Wer den Weg zur «Kunst der Aufklärung» in Peking beschreitet, muss zunächst durch eine Sicherheitsschleuse. Vorsicht ist auch in China die Mutter der Weisheit, in Zeiten terroristischer Bedrohung gilt das besonders. Als Blickfang und Werbeträger der Schau dient Gottlieb Schicks «Porträt der Heinrike Dannecker» (1802) aus den Berliner Museen. Köpfe führender Aufklärer wie Lessing, Kant, Voltaire und Schiller flankieren die riesige Schautafel am Eingang. Danach kann der Besucher in neun Abteilungen Facetten der Aufklärung und ihre Wirkung bis in die heutige Zeit kennenlernen. Dafür stehen unter anderem Gemälde, Skulpturen, Mode und wissenschaftliche Geräte.
Einen Kompromiss mussten die Organisatoren auf jeden Fall machen: Die eigentliche Kunst der Aufklärung - das Wort - dient bis auf wenige Ausnahmen nur zur Illustration. Man habe den Chinesen lange Schrifttafeln ersparen und lieber schöne Stücke für sich sprechen lassen wollen, sagt Kuratorin Cordula Bischoff. Ihre Kollegen aus China legten viel Wert auf großzügige Raumgestaltung. Schließlich werden täglich bis zu 5000 Menschen erwartet. Ein Rahmenprogramm in Regie der Stiftung Mercator soll in den kommenden zwölf Monaten den Dialog zwischen Wissenschaftlern und Künstlern beleben.
Schon im Vorfeld hatte die deutsche Seite darauf verwiesen, dass man in Peking Aufklärung nicht mit erhobenem Zeigefinger betreiben wolle. Als Vertreter der beteiligten Museen ging der Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Martin Roth, auf diesen Umstand ein. Eines sei die Ausstellung ganz gewiss nicht: «Sie ist kein Rezept der Aufklärung, kein Modell, das auf andere Kulturen und Zivilisationen übertragen werden kann.» Man stelle aber das «Konzept Aufklärung» zur Diskussion. Roths Münchener Kollege Klaus Schrenk hatte die Aufklärung schon zuvor als «bis heute dauerndes Experiment» bezeichnet.
Nachdem die Ausladung des Schriftstellers Tilman Spengler - er erhielt von den chinesischen Behörden keine Einreiseerlaubnis - für einen Misston gesorgt hatte, blieb zur Eröffnung am Freitag alles im Gleichklang. Dafür sorgten zum Finale nicht zuletzt die Musiker der Staatskapelle Dresden mit einigen Kollegen aus Berlin und München. Lorin Maazel dirigierte Beethovens «Eroica» - natürlich ein Hit aus den Tagen der Aufklärung.
|
























































