| Ein deutsches Trio schreibt in China Kunstgeschichte Von Jörg Schurig, dpa |
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| Montag, 04. April 2011 um 06:51 Uhr | ||
Einigkeit macht auch in der Kunst stark. Die staatlichen Sammlungen in Berlin, Dresden und München haben für China eine beeindruckende Ausstellung gestaltet. Die Arbeit hat auch den Blick für die eigenen Bestände geschärft.
Peking (dpa) - Am Ende zitierte der Dresdner Sammlungschef Martin Roth sogar den Großen Vorsitzenden Mao. Der habe sinngemäß einmal gesagt: In einer Höhle ist immer nur Platz für einen Tiger. Er und seine Direktoren-Kollegen hätten aber das Gegenteil bewiesen, sagte Roth am Freitag bei der Eröffnung der Ausstellung «Die Kunst der Aufklärung» im chinesischen Nationalmuseum von Peking. Für die bislang größte deutsche Kunstausstellung im Ausland hatten die Staatlichen Museen zu Berlin, die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen knapp 600 Exponate ausgewählt. Seit Freitag ist die Pracht im Reich der Mitte zu sehen.
In neun Kapiteln wird das Thema vorgeführt - mit Gemälden, Skulpturen, Möbeln, Mode, wissenschaftlichen Geräten oder auch Gegenständen, mit denen man im 18. und 19. Jahrhundert das Volk auf Jahrmärkten belustigte. Zu Beginn wird das Kapitel «Höfisches Leben» aufgeschlagen. Ein Selbstporträt aus München von Georg Desmarées mit seiner Tochter Antonia (um 1760) belegt, wie selbstbewusst sich Künstler in den Zeiten der Aufklärung darstellten. Eigentlich habe man noch viel mehr Porträts ausstellen wollen, sagt Kuratorin Cordula Bischoff: «In China hat das aber keinerlei Tradition. Hier war es einst verboten, ein Bildnis der Kaiser zu besitzen.»
Ein weiterer Punkt kommt hinzu: Für Chinesen sehen europäische Gesichter im Grunde alle gleich aus. Den Selbsttest kann jeder Deutsche in umgekehrter Perspektive versuchen: Wie blickt ein selbstbewusster Chinese? Bischoff berichtet davon, wie in der ersten Euphorie die Liste der Ausstellungstücke doppelt so lang war. Obwohl die Idee für die Schau schon ein Jahrzehnt alt ist, hatten die Fachleute am Ende nur zwei Jahre Zeit für die eigentliche Ausgestaltung. In monatlichen Konsultationen waren etwa 100 Experten eingebunden. Da 30 Museen in den drei Sammlungen beteiligt sind, gab es viel Abstimmungsbedarf. Kollegen aus China gehörten von Beginn an zum Team.
Da die Chinesen viele Stücke mit hohem Schauwert begehrten, kam unverhofft das Dresdner Museum für Volkskunst zum Zug. «Wir sind sonst nicht so gefragt, weil wir keine Hochkunst im Bestand haben. Aber nun konnten wir endlich mal unsere Schätze in die Waagschale werfen», meint Direktor Igor A. Jenzen. Aus seinem Haus stammt unter anderem ein «Teatro mundi», bei dem bewegliche Figuren dem Zuschauer eine Weltreise vorgaukelten - für Jenzen der Versuch, schon im 19. Jahrhundert das Kino vorwegzunehmen. Auch «Transparentbilder» - perforierte und von hinten beleuchtbare Zeichnungen von Vulkanen und anderer Natur - sind ein Beleg für die Schaulust des Menschen.
Die Arbeit an der Ausstellung in China hat für die Deutschen die Sicht auf eigene Bestände geschärft. «Mit jeder Ausstellung entdeckt man Sachen, die man noch gar nicht kannte», sagt Jenzen. Zudem wurden eigens für Peking Objekte restauriert. In fast jedem Fall habe man den Wünschen der Chinesen nachkommen können, hieß es. Einen Renoir redeten die deutschen Experten den Gastgebern aus, ein Napoleon- Porträt aus Dresden konnte wegen seines Zustandes nicht transportiert werden. Auf ein Objekt verzichtete die deutsche Seite von selbst: Allzu freizügige Illustrationen zu den Aufzeichnungen des Marquis de Sade gehen selbst über das Thema Aufklärung hinaus.
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