| Galeriedirektor beruhigt - Ur-Canaletto in Dresden Von Simona Block, dpa |
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| Mittwoch, 06. April 2011 um 06:04 Uhr | ||
Der «Canaletto-Blick» des Venezianers Bellotto gilt wie kein anderes Bild als Wahrzeichen der Barockstadt Dresden. Auch Bundespräsident Christian Wulff hat es sich ausgeliehen - zum Unmut der Dresdner.
Dresden/Berlin (dpa) - Brühlsche Terrasse, Frauenkirche, Hofkirche und Residenzschloss: Die vom Venezianer Bernardo Bellotto (1721-1780) festgehaltene Stadtansicht des barocken Dresden ist weltberühmt. Das Ur-Gemälde des Künstlers, der sich Canaletto nannte, ist nach wie vor nur in Dresden zu sehen. Das als «Canaletto-Blick» berühmte Motiv im Amtszimmer von Bundespräsident Christian Wulff im Schloss Bellevue sei eine Zweitfassung in kleinerer Dimension, stellte der Direktor der Gemäldegalerie Alte Meister, Bernhard Maaz, am Dienstag klar.
Die mittelfristige Leihgabe nach Berlin hatte für Verwirrung und Verärgerung gesorgt. Bei den Kunstsammlungen und deren Freundeskreis Museis Saxonicis Usui (MSU) gab es verstörte Anrufe, Mails irritierter Kunstfreunde und Beschwerden von Spendern. «Die Leute sind verärgert, dass ein Bild, dessen Restaurierung die Dresdner finanzieren, plötzlich in Berlin sein soll», sagte Geschäftsführerin Maria Krusche. Gilt die Vedute (wirklichkeitsgetreue Darstellung) doch wie kein anderes Bild als Wahrzeichen der Elbestadt. Die MSU haben mit ihrer Aktion «Für Canaletto» in einem Jahr rund 100 000 Euro für deren Rettung gesammelt.
Auch prominente Dresdner wie Opernsänger René Pape, der Maler Georg Baselitz, der Autor Uwe Tellkamp oder die Band Polarkreis 18 warben dafür. Canalettos Stadtansicht sei geradezu klassisch geworden, erklärte Maaz-Vorgänger Harald Marx. «Wie selbstverständlich sprechen wir heute vom Canaletto-Blick.» Umso mehr bestürzte die Nachricht von der Leihgabe. Bei deren Übergabe Mitte März war zum Verdruss der Staatlichen Kunstsammlungen eine Erklärung versäumt worden, dass es sich nicht um das Original handelt.
Das Gemälde, das im Amtszimmer des deutschen Staatsoberhaupts hängt, wurde zwischen 1751 und 1753 wahrscheinlich für einen Beamten gemalt. «Es ist um etwa ein Drittel kleiner», erklärte Kurator Henning. Das Original habe Canaletto schon 1748 für König August III. angefertigt. «Insgesamt sind vier Fassungen bekannt.» Eine identische Kopie für den damaligen Premierminister Graf Brühl befindet sich in einer Madrider Privatsammlung. Eine weitere kleine Version habe die National Gallery Dublin. Das Wulff-Bild indes war schon einmal in Berlin, vor der Wende. Es hing im Amtszimmer von Staats- und Parteichef Erich Honecker.
«Damals war es Mahnung, die Stadt wiederaufzubauen», sagte die Leiterin der Restaurierungswerkstatt, Marlies Giebe. «Nun dankt es für den Wiederaufbau der Frauenkirche.» Das seit 1834 fast ständig in Dresden ausgestellte Original war durch Transporte, Um- und Auslagerungen, Ausleihen und frühere Bearbeitungen geschädigt und wird seit 2009 restauriert. «Wir sind im letzten Drittel.» Dank modernster Technik in den für 5,5 Millionen Euro neugebauten Werkstätten im Albertinum seien die Bedingungen bestens.
Die Rückkehr des Kunstwerkes in die Gemäldegalerie wird am 28. August gefeiert, kündigte Galeriedirektor Maaz an. Eine Ausstellung soll die Bearbeitung des 1,33 mal 2,37 Meter großen Meisterwerks und seine Geschichte zeigen. Die Finanzierung sei vor allem mit Klein- und Kleinstspenden der Dresdner gelungen, sagte Petra von Crailsheim vom MSU-Vorstand, der sich bereits mit dem Wunsch nach weiteren Canaletto-Restaurierungen beschäftigt.
Die Dresdner Galerie besitzt insgesamt 35 Gemälde von Bellotto, der 1747 in die Residenz berufen worden und ein Jahr später der höchstdotierte Hofmaler war. Er nannte sich nach seinem Onkel, dem berühmten Vedutenmaler Giovanni Antonio Canal, genannt Canaletto. Der Blick auf das barocke Panorama war sein «Bestseller», von dem er auch einen Kupferstich anfertigte. «Das und mehrere Versionen des Gemäldes zeugen von dessen Erfolg», sagte Maaz. «Und die Urfassung können sie nur in Dresden sehen.»
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