| Ausstellung zeigt Lagerfeld, Newton und Nordhorn Von Elmar Stephan, dpa |
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| Freitag, 08. April 2011 um 06:34 Uhr | ||
Nordhorn gehörte einst zu den wichtigsten Zentren der deutschen Textilindustrie. Billigere Produktionen in Südostasien machten Unternehmen und den Jobs den Garaus. Eine neue Ausstellung im Nordhorner Stadtmuseum zeichnet die Geschichte nach.
Nordhorn (dpa/lni) - Karl Lagerfeld, Helmut Newton - und Nordhorn. Der weltberühmte Modedesigner, der legendäre Fotokünstler und das niedersächsische Provinzstädtchen sind keine sich ausschließenden Gegensätze. Wer die neue Dauerausstellung «Menschen, Mode und Maschinen - Textilkultur und Textilgeschichte aus Nordhorn» im Stadtmuseum der Kreisstadt besucht, stößt zum Beispiel auf Vorhangstoffe der Firma NINO, die Lagerfeld in den 70er Jahren für das damalige Weltunternehmen gestaltete. Daneben ist eine Kampagne für einen «Mantelwettbewerb» zu besichtigen, den NINO unter Nachwuchsmodedesignern ausgelobt hatte. Der Jury saß Lagerfeld vor, sein Kollege war Versace. Handschriftlich ausgefüllte Bewertungsbögen fanden sich im Nachlass des Unternehmens, das in 90er Jahren Konkurs anmelden musste.
Ein Zufall spielte dem Leiter des Nordhorner Stadtmuseums Werner Straukamp im Jahr 1994 einen ungeahnten Schatz in die Hände. Fast zeitgleich mit der Gründung des Museums ging das einst größte deutsche Textilunternehmen NINO Pleite. Straukamp suchte nach Exponaten aus der Textilbranche für sein Museum und fragte den Insolvenzverwalter, ob er sich im Archiv der Werbeabteilung umsehen dürfe. Er durfte, und gemeinsam mit einem früheren NINO-Mitarbeiter stöberte Straukamp in einem «verregneten Dachgeschoss» alte Kisten auf. «Auf einmal sah ich handschriftlich den Namen Helmut Newton», erinnert sich der Museumsleiter. Insgesamt rettete er 80 000 Modefotografien aus den 50er bis in die 80er Jahre vor dem Müll. Hinzu kommen rund 10 000 Industriefotografien - der Grundstock der Museumssammlung.
Von den Aufnahmen sind in der ab Samstag zu sehenden Ausstellung rund 1500 Bilder zu sehen. Allein die Namen der Fotografen dürften Kunst- und Modeinteressierte aus ganz Deutschland nach Nordhorn locken. Neben Modefotos von Newton werden Arbeiten von Regina Relang, Rico Puhlmann, Christa Peters, Frank Horvat, F.C. Gundlach, Paul Wolff, dem Folkwang-Professor Otto Steinert oder Guy Bourdin gezeigt.
Der Düsseldorfer Fotograf Charles Wilp steht beispielsweise hinter der kultigen «Afri-Cola-Rausch»-Werbung der 60er. Für NINO inszenierte er unter anderem Gemeinschaftswerbekampagnen für das Modeunternehmen und Volkswagen oder die Fluglinie PanAm. Er fotografierte aber auch die Arbeitswelt bei NINO in dieser Zeit. Auf einem Foto dreht sich eine Mitarbeiterin in die Kamera, die mit ihren Kolleginnen an einem langen Tisch mit Musterbüchern sitzt. Die junge Frau lächelt. «Wenn Sie in die Augen dieser Menschen schauen, sehen Sie Zuversicht und Optimismus», sagt Straukamp. Nie ging es den Textilern in Nordhorn besser als in dieser Zeit.
Wenige Meter weiter stehen Dokumentaraufnahmen aus den 40er Jahren. «Auf den Fotos sehen sie nur Kinder, weibliche Mitarbeiter oder Zwangsarbeiter», sagt Straukamp. Den Menschen sind die Erschöpfung und Hoffnungslosigkeit anzusehen.
Die Ausstellung ist aber nicht nur eine Entdeckung für Fotokunstbegeisterte. Mit Originalkleidern auf Schaufensterpuppen, nachgebauten Messeständen, Modellen der Produktionsanlagen, alten Musterbüchern, Werbeplakaten und einem Kino wird die Textil-Geschichte der Vechte-Stadt nachgezeichnet. Immerhin arbeiteten in der Textilindustrie des 50 000-Einwohner-Kommune bis zum Niedergang der deutschen Textilproduktion zu Spitzenzeiten rund 11 000 Menschen. Neben NINO gehörten auch Rawe und Povel zu den bekannten Marken.
Auch Diana Rigg war 1968 in der Grafschaft, und stellte die «Mrs. Emma Peel-Kollektion aus Stoffen von Povel» vor. Die britische Schauspielerin gehörte dank ihrer Rolle als «Emma Peel» in der Serie «Mit Schirm, Charme und Melone» zu den beliebtesten TV-Stars jener Zeit. «Radio Bremen hat damals mit ihr in der Burg Bentheim einen "Mode-Krimi" gedreht», sagt Straukamp. Zusammen mit anderen Fernsehberichten ist er im Museums-Kino zu sehen. Schließlich gibt es noch einen «Dressing Room» mit Umkleidekabinen. Die Besucher können dort einige der alten Modeschätze einmal selber anprobieren.
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