| Haus der Kulturen fordert klare Worte im Fall Ai Weiwei Gespräch: Esteban Engel, dpa |
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| Sonntag, 10. April 2011 um 06:47 Uhr | ||
Berlin (dpa) - Die Festnahme des chinesischen Künstlers Ai Weiwei hat eine Diskussion über die Bedeutung des Kulturaustauschs mit diktatorisch regierten Ländern und autoritären Regierungen ausgelöst. Der Intendant des Hauses der Kulturen der Welt in Berlin, Bernd. M. Scherer, plädiert im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa für klare Worte gegenüber den Machthabern.
Nur zwei Tage nach Eröffnung der deutschen Ausstellung zur Kunst der Aufklärung in Peking haben die Behörden den regimekritischen Künstler Ai Weiwei verhaftet. Sollte man die Ausstellung aus Protest sofort abbrechen?
Scherer: «Man könnte natürlich ein großes Zeichen setzen und die Ausstellung abziehen. Es kann sinnvoll sein, die Ausstellung zu belassen, wenn sie als eine Art exterritoriales Dialogforum genutzt wird und so Dissidenten eine Bühne bietet. Dann sollten aber aus Deutschland die entsprechenden Stimmen dazu kommen, die klarmachen, wie wir die Auseinandersetzung um Kunstfreiheit und Menschenrechte sehen. Im aktuellen Fall bin ich dafür, die Ausstellung zu nutzen, um klar Position zu beziehen.»
Im Haus der Kulturen haben Sie auch viele Künstler und Intellektuelle aus Diktaturen zu Gast. Wie sind ihre Erfahrungen?
Scherer: «Das ist von Regime zu Regime verschieden. Der Kontakt zum Künstler und den Intellektuellen steht immer im Vordergrund. Wir besprechen zunächst gemeinsam die beste Strategie. Ein Patentrezept gibt es nicht. Es kann besser sein, offizielle Stellen erst gar nicht einzubeziehen und die Einladung nicht an die große Glocke zu hängen. Manchmal ist die Einladung selbst schon Provokation, wie jüngst beim Dichter Liao Yiwu, der auch zur Frankfurter Buchmesse eingeladen wurde.»
Besteht dann nicht die Gefahr, dass sich die Behörden am Künstler rächen, wie das jetzt offenbar bei Ai Weiwei der Fall ist?
Scherer: «Diese Gefahr besteht immer. Künstlern ist es lebenswichtig, den Behörden zu trotzen und ihnen offen zu widerstehen. Menschen wie Ai Weiwei oder Liao Yiwu erwarten, dass der Westen ihnen einen Resonanzraum für ihr Engagement bietet. Wir müssen uns daher in den Dienst ihrer Sache stellen und für sie kämpfen."
Können Ausstellungen wie die deutsche Schau zur Kunst der Aufklärung tatsächlich etwas bewegen?
Scherer: «Ich erlebe immer wieder, ob etwa in Indien oder Pakistan, wie Menschen durch einzelne Kunstobjekte ein Erweckungserlebnis haben. So funktioniert einfach Kunst. Deswegen glaube ich im Sinne von Mao: "Lasst tausend Blüten blühen". Je mehr Austausch passiert, umso besser. Zentral ist aber dabei, dass man deutlich sagt, wo man selber steht.»
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